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19.12.2017

Wirtschaftsdüngung: Notsituationen im Herbst 2017

Nach hohen Niederschlagsmengen in den vergangenen Monaten sind viele landwirtschaftliche Flächen in NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg nicht befahrbar. Entsprechend konnten Wirtschaftsdünger nach der Ernte der Hauptfrucht und zur nachfolgenden Herbstbestellung für die jeweils zulässigen Kulturen häufig nicht ausgebracht werden. Bei einigen landwirtschaftlichen Betrieben kann es somit zu einer akuten Notfallsituation bei der Lagerung von Gülle, Jauche und Gärrückständen kommen, weil die Lagerkapazitäten erschöpft und ergänzende Kapazitäten nicht rechtzeitig bereitgestellt werden können.

Betriebe, die sich in einer solchen Notstandssituation befinden, sollten Kontakt zu den zuständigen Behörden (untere Wasserbehörde, Düngebehörde, Landwirtschaftskammer bzw. -amt) aufnehmen und um Hinweise bitten, wie ein größerer Schaden nach Überlaufen, bzw. Eintrag ins Grundwasser, ins Oberflächengewässer oder in die Kanalisation zu verhindern ist.

Ist eine Lagerung in betriebsfremden Behältern oder eine Reaktivierung stillgelegter, aber betriebsbereiter Lageranlagen nicht möglich, kann zur Verhütung eines größeren Schadens a) die Ausbringung von flüssigen Wirtschaftsdüngung auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche geduldet oder b) die Anlage von Behelfslagerstätten erfolgen.

Ausbringung innerhalb der Sperrfrist
  • Aufbringung auf Flächen mit Kulturen mit durchgängigem Bewuchs (z.B. Winterraps, Feldgras, Zwischenfrüchte und Grünland)
  • Mengenbeschränkung für die Fläche (max. 10 m³/ha) und den Gesamtbetrieb
  • Einhaltung eines Mindestabstandes zu Gewässern und Berücksichtigung der Hangneigung

Behelfslagerstätten
Weiterhin kann als Notfallmaßnahme die Herrichtung eines provisorisch angelegten Güllelagers geduldet werden. Auch diese Maßnahme ist in jedem Fall mit den zuständigen Behörden abzustimmen und bedeutet, dass das provisorische Güllelager nur für diese Notfallsituation akzeptiert und zeitlich begrenzt betrieben werden darf. Mit einer Rückbauverpflichtung ist zu rechnen. Der Standort muss hinsichtlich Größe, Lage, Untergrundbeschaffenheit, Erreichbarkeit etc. geeignet sein. Mindestabstände zu ober- und unterirdischen Gewässern sind einzuhalten.
Die verwendete Folie muss den zu erwartenden Belastungen standhalten und sollte mindestens eine Stärke von 1 mm aufweisen. Die Verlegung der Folie ist von einem geeigneten Fachbetrieb (z.B. ein Hersteller von Erdbecken mit allgemein anerkannter bauaufsichtlicher Zulassung) durchzuführen, der auch die Dichtheit der Folie bestätigt.
Das provisorische Gülle-Erdlager ist einzuzäunen und in der Größe an den tatsächlichen Bedarf auszurichten. Das Fassungsvermögen kann auf eine maximale Größe einschließlich Reservevolumen beschränkt werden.
Nach Abschluss der Notfallmaßnahmen ist mit einer Evaluierung durch die zuständigen Behörden insbesondere hinsichtlich der vorhandenen Lagerkapazitäten zu rechnen.

Ganz wichtig: Wer immer eine dieser Möglichkeiten nutzen will, sollte sich zwingend vorab mit den zuständigen Behörden in Verbindung setzen, um über die Voraussetzungen und Verpflichtungen dieser Maßnahmen exakt informiert zu sein.

Dr. Martin Wesenberg


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