Beruf & Bildung
17.12.2021

„Wir sind CEETTAR“

Das war die Antwort meines dänischen Kollegen und Geschäftsführers des dortigen Lohnunternehmerverbandes Bent Juul Jorgensen auf die Frage nach der Identifikation der Mitglieder mit dem europäischen Verband CEETTAR.

Für die Lohnunternehmer in den nationalen Verbänden ist Europa oder Brüssel gefühlt weit weg. Fremde Namen, unbekannte Sprachen und andere Themen haben scheinbar nur wenig mit den eigenen Belangen zu tun. Frei nach dem Spruch „das Hemd ist mir näher als die Weste“ mag das stimmen. Aber die übergeordneten Themen betreffen in den meisten Fällen auch die nationalen Interessen. Und so ist der Weg über Brüssel oft erfolgversprechender als der Versuch mit den einheimischen Behörden oder Abgeordneten einen „Deal“ zu machen.

CEETTAR – um es nochmal auszusprechen Confédération Européenne des Entrepreneurs de Travaux Techniques Agricoles, Ruraux et Forestiers – ist ein häufig unterschätztes Werkzeug für unsere Branche. Es ist durchaus so, dass die CEETTAR bei der EU-Kommission und den Behörden sehr wohl bekannt ist. Wir werden zu vielen Themen befragt oder aufgefordert Stellung zu beziehen, werden anderseits auch gehört, wenn wir eigene Positionen, beispielsweise zur Gemeinsamen Agrarpolitik oder der Farm-to-Fork Strategie, beziehen.

Vertreter unserer Branche sind als Berater und Experten zertifiziert, die von unterschiedlichen EU-Abteilungen gehört werden. So wird in der „Machinery Expert Group“ darüber diskutiert, wie Maschinen vor dem Hintergrund der Arbeits- und Verkehrssicherheit ausgestattet und zu gelassen werden können. Andere Fragen betreffen den Umgang mit den erzeugten Daten und deren Nutzung oder die Förderung von Smart-Farming Werkzeugen in der Land- und Forstwirtschaft.

Ein aktuelles Thema ist beispielsweise ein europaweit gültiger T-Führerschein. Er soll die nationalen Führerscheinklassen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Damit soll zum einen ausländischen EU-Bürgern die Möglichkeit gegeben werden Maschinen und Fahrzeuge gleichberechtigt in allen EU-Ländern zu nutzen und damit ein notwendiger Beitrag zur Bewältigung des Fachkräftemangels. Anderseits soll sich der T-Führerschein für Traktoren und Selbstfahrenden Arbeitsmaschinen an dem ihrem physischen und damit sicheren Verhalten im Straßenverkehr und nicht am Verwendungszweck orientieren.

Sehr gut ist auch die Zusammenarbeit mit anderen europäischen Verbänden der grünen Branche. Sei es der europäische Bauernverband COPA-COGEGA, dem Verband der Landtechnikhändler CLIMMAR oder der CEMA, die die europäischen Landtechnik-Hersteller
vertritt.

So wird aktuell darüber gesprochen, wie der Diebstahl von Maschinen und elektronischen Komponenten besser verhindert werden kann oder das „Fit for 55-Programm“. Was sich anhört wie ein Fitnessprogramm für Menschen im besten Alter, ist aber tatsächlich ein Fitnessprogramm für die europäische Klima- und Energiepolitik. Wie kann also der vielzitierte Carbon Footprint in der Landwirtschaft verhindert und bis 2030 um 55 % reduziert werden?

Das entstandene Netzwerk der Mitglieder innerhalb der CEETTAR oder mit den anderen europäischen Partnerverbänden macht den Wert Europa mehr als deutlich. Sicher, nicht immer läuft alles nach den eigenen Vorstellungen, vieles läuft nur langsam oder es müssen Kompromisse gefunden werden.

Aber die globalen Herausforderungen machen nicht vor Landesgrenzen halt und können wirksam nur gemeinsam gelöst werden. In diesem Sinne wird Europa tatsächlich spürbar und das Gefühl bricht sich Bahn „Wir sind Europa“ oder bezogen auf unsere Branche: „Wir sind CEETTAR“!

Dr. Hartmut Matthes

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