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13.10.2021

Sicherheit in der Maisernte

FAQ’s – häufig gestellte Fragen

Die Maisernte steht vor der Tür und plötzlich steht man wieder vor der Frage: „Muss ich den Silowagen beim Transport abdecken?“ Diese und andere Fragen beantwortet Martin Vaupel von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Gibt es eine Abdeckpflicht für Silowagen?
Nein, aber bei der Ladungssicherung steht die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer im Vordergrund. Nach § 22 der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist die Ladung so zu  verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher  Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen hin- und her rollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen kann. Einfach ausgedrückt: Die Ladung muss auf dem Anhänger bleiben!

Verantwortlich ist:
  1. Der Fahrer: Bei auftretenden Ladungsverlusten wird zunächst er als Schuldiger ausfindig gemacht.
  2. Der Häckslerfahrer: Sind die Fahrzeuge nachweislich durch ihn „zu voll geknallt“ worden, kann er sich nicht aus der Verantwortung ziehen.
  3. Der Lohnunternehmer: Als Halter muss er seine Beschäftigten auf die Ladungssicherung hinweisen und beispielsweise darauf achten, dass die Fahrzeuge nicht so voll beladen werden und die Geschwindigkeit angepasst wird.
Genau dies sind auch schon die beiden wichtigsten Punkte wie man Ladungsverluste auf einfache Weise reduzieren kann. Außerdem ist es wichtig, dass ausreichend Platz zwischen dem Schüttkegel und der umlaufenden Bordwand bleibt, um gegebenenfalls herab rutschendes Material noch innerhalb der Bordwände aufzufangen. Eine Abdeckpflicht gibt es zurzeit nicht!

Abdeckung kommt gut an – Wie sieht es in der Praxis aus?
In der stressigen Maisernte fällt es schwer langsam zu fahren und die Anhänger nicht so voll zu beladen. Vor dem Hintergrund ist die Laderaumabdeckung eine echt sinnvolle  Ausstattung, die aber bei übervoll beladenen Fahrzeugen und hoher Geschwindigkeit auch an ihre Grenzen kommt. Bei Anwohnern und der Polizei wird die Laderaumabdeckung gern gesehen. Sie ist ein positiver Beitrag zur Darstellung des Lohnunternehmers in der Öffentlichkeit!

Weitere Tipps:
  1. Erntematerial, welches auf Kotflügeln oder dem Schlepperdach gelandet ist, vor der Einfahrt auf die Straße mit dem Handfeger oder den Laubbläser entfernen.
  2. Nach dem Abladen sammelt sich meist viel Material auf den Ketten des Kratzbodens unterhalb des Wagens. Bei den nächsten Schlaglöchern fällt dies auf die Straße. Um dem Vorzubeugen kann man direkt nach dem Abladen über mehrere ausgelegte Kanthölzer fahren und so auf einfache Weise einen Großteil „abschütteln“.
Wer muss die Straße sauber machen?
Als erstes ist hier der Verursacher in der Pflicht und das sind in der Maisernte nun mal die Fahrer der Transport- und Erntefahrzeuge. Aber, auch der Auftraggeber (Landwirt) ist in der Pflicht und daher sollte vorher geklärt werden, wer für die Reinigung verantwortlich ist. Dies ist am besten schriftlich im Auftrag festzuhalten und in vielen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Lohnunternehmern gibt es entsprechende Klauseln, dass der Auftraggeber für die Reinigung und Kenntlichmachung zuständig ist.

Nach § 32 der StVO müssen solche verkehrswidrigen Zustände durch die Verantwortlichen unverzüglich beseitigt werden und bis dahin ausreichend kenntlich gemacht werden. Ebenso ist gefordert, dass Straßenverschmutzungen möglichst vermieden werden sollen. Dazu gehört, dass Arbeitsgeräte und Reifen vor dem Verlassen des Ackers zu säubern sind. Treten bei der Maisernte Ladungsverluste auf und wird die Straße durch anhaftende Erde verschmutzt, so kann dies bedeuten, dass die Straße nach jedem Abfuhrgespann zu fegen ist. Ist bereits im Vorfeld davon auszugehen, dass es zu  Straßenverschmutzungen kommt, sollten rechtzeitig die entsprechenden Stellen wie die
Straßenmeisterei und die Polizei darüber informiert werden.
Problematisch ist das Aufstellen von Gefahrenschildern oder anderen lichttechnischen Einrichtungen zur Absicherung bei Dämmerung, Dunkelheit oder wenn die Sichtverhältnisse es sonst erfordern. Das Aufstellen darf eigentlich nur durch geschultes Personal erfolgen. Doch gar keine Schilder aufzustellen ist schlimmer als nicht geeignet dafür zu sein. Daher sollte man auch das Aufstellen von Gefahrenschildern mit den örtlichen Behörden rechtzeitig klären.

Ein Warndreieck oder gar selbstgemalte Schilder reichen nicht aus! Oftmals können  entsprechende Schilder bei den örtlichen Bauhöfen ausgeliehen werden. Wichtig: Sicherheit geht vor und um die Akzeptanz für landwirtschaftliche Transporte zu erhalten, ist es von entscheidender Bedeutung die Straßen sauber zu halten!

Wie schwer darf das Anhängergespann sein?
Unter Beachtung der Vorschriften für die jeweiligen Achslasten, Anhängelasten und zulässigen Gesamtgewichte der Einzelfahrzeuge dürfen folgende Gesamtgewichte nicht überschritten werden:
  • Zug mit vier Achsen 36 t
  • Zug mit mehr als vier Achsen 40 t
In der Maisernte werden vorwiegend Tandem- und Tridem-Silowagen eingesetzt. Bei diesen Starrdeichselanhängern ist die Berechnung des zulässigen Gesamtgewichtes nicht ganz einfach. Denn nach den Vorgaben von § 34 Abs. 7 der StVZO ist neben den  zulässigen Gesamtgewichten der Einzelfahrzeuge auch die Stützlast zu berücksichtigen. So wird zur Berechnung des zulässigen Gesamtgewichtes des Zuges, die jeweils höhere Stützlast des ziehenden Fahrzeugs oder des Starrdeichselanhängers abgezogen. Bei gleichen Stützlasten, muss diese einmal abgezogen werden.

Beispiel:
Bei einem Schlepper mit 14 t zulässigem Gesamtgewicht (incl. 3 t Stützlast) und einem Tandem-Silowagen mit 24 t zulässigem Gesamtgewicht (incl. 4 t Stützlast) wird wie folgt gerechnet: 14 t + 24 t = 38 t – 4 t Stützlast (der höhere Wert) = 34 t Zuggesamtgewicht. Also, die Waage darf bei diesem beladenen Gespann nicht mehr als 34 t anzeigen. Um legal 40 t im Zug fahren zu können, ist immer eine Fahrzeugkombination mit mehr als 4 Achsen erforderlich (Tridem, etc.)

Was ist noch zu beachten?
  • Bei Tandem- oder Tridemfahrwerken ist die Höhe der Achslasten abhängig von den Abständen der Achsen zueinander. Je weiter eine Achse von der anderen Achse entfernt ist, umso größer wird die Achs ast der Achsgruppe. Liegen beispielsweise die Achsen von ihren Mittelpunkten mehr als 1,80 m auseinander, so kann jede Achse auch maximal 10 t aufnehmen.
  • Die Höhe der Stützlast ist abhängig von der Verbindungsart zwischen Zugmaschine und Anhänger. Die starre Kugelkopfkupplung 80, die zu meist unterhalb der Zapfwelle fest angebaut ist, kann in der Regel bis zu 4 t Stützlast tragen. Die Stützlast der  Kugelkopfkupplung kann aber durch die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit (bbH) des Schleppers begrenzt sein. Normalerweise sind die Kupplungen mit einer Stützlast von 4 t bis 40 km/h freigegeben. Bei einem Schlepper mit einer bbH von 50 km/h ist es möglich, dass an der festen Kugelkopfkupplung nur 2 t Stützlast aufliegen darf. Die üblichen Bolzenkupplungen können Stützlasten bis zu 2 t aufnehmen.
  • Werden Starrdeichselanhänger schneller als 40 km/h gefahren, können nur 2 t Stützlast berücksichtigt werden. Höhere Stützlasten sind auf 40 km/h begrenzt.
  • Bei der Stützlastübertragung auf den Schlepper ist zu beachten, dass die gesetzlich vorgeschriebene Mindestvorderachslast von 20 % des Traktorleergewichtes nicht unterschritten werden darf. Um die Lenkfähigkeit des Schleppers zu gewährleisten ist gegebenenfalls der Anbau eines Frontgewichtes erforderlich.
Tipp:
Für eine passende Fahrzeugzusammenstellung sind immer die Hinweise in den Fahrzeugpapieren, Bedienungsanleitungen oder auf den jeweiligen Typenschildern zu überprüfen. Dazu gehört auch die jeweilige Reifentragfähigkeit (Last- Geschwindigkeits- Index)

Was ist bei der Anhängung mit der K80 zu beachten?
Silowagen werden vorwiegend durch die Kugelkopfkupplung 80 mit dem Schlepper verbunden. Das ist eine tolle Verbindungseinrichtung mit vielen Vorteilen, doch damit das System auch sicher funktioniert, ist insbesondere auf Pflege, Wartung und die richtige Einstellung zu achten:
  • Bei täglichem Einsatz ist die Verbindungseinrichtung auch mindestens einmal täglich zu überprüfen und zu warten. Dabei ist das Reinigen der Verbindungsteile von entscheidender Bedeutung, denn Verschleißerscheinungen sind nur so gut erkennbar. Die Hersteller bieten für ihre Kupplungen entsprechende Prüflehren an, mit denen der Verschleiß leicht zu ermitteln ist. Wichtig: immer die Prüflehren in Fahrtrichtung anlegen. Nur so kann eine verlässliche Aussage zum Zustand von Kugel, Kalotte und dem Gesamtsystem ermittelt werden.
  • Im Neuzustand hat die Kugel einen Durchmesser von 80 mm. Je nach Hersteller ist ein Verschleiß von 1,5 bis 2,0 mm zulässig. Liegt die Prüflehre auf der Kugel auf, ist die Verschleißgrenze erreicht und die Kugel muss ausgetauscht werden. Bei starken Riefen, Beschädigungen oder einseitiger Abnutzung muss selbstverständlich die Kugel sofort ersetzt werden.
  • Die Kalotte, die sich am Anhänger befindet, hat im Neuzustand ebenfalls einen Durchmesser von 80 mm. Die Verschleißgrenze liegt auch bei 1,5 bis 2,0 mm. Die Verschleißprüfung der Kalotte ist etwas unbequemer und Abnutzungen sind nicht sofort sichtbar, denn dafür muss man in die Knie gehen und von unten in die Kalotte hineinschauen. Nach der Säuberung von altem Fett, Staub und Abrieb ist auch bei der Kalotte die Prüflehre in Fahrtrichtung anzulegen. Am besten kann man den Verschleißgrad mit einer Taschenlampe erkennen, in dem man von einer Seite dann gegen die Prüflehre leuchtet. Fällt dann noch Licht auf die andere Seite der Rundung ist die Verschleißgrenze noch nicht erreicht. Liegt die Lehre komplett auf und es scheint kein Licht mehr hindurch ist die Kalotte schrottreif. Ebenso muss sie bei Verformungen, Riefen, usw. ausgetauscht werden.
  • Der Niederhalter ist für die Sicherheit der Verbindungseinrichtung von entscheidender Bedeutung. Damit der Niederhalter seine Aufgabe richtig erfüllen kann ist die korrekte Einstellung zwingend erforderlich. Maximal ist ein Spiel von 0,5 mm zulässig, das ist nicht viel. Mit einer Abstands- bzw. Fühllehre kann das Spiel optimal eingestellt werden. Der Niederhalter wird in der Regel mit einem Bolzen gesichert. Dabei ist darauf zu achten, dass der Sicherungsbolzen spielfrei verriegelt werden kann.
  • Negative Stützlasten müssen bei der Kugelkopfkupplung 80 unbedingt vermieden werden. Beim Auftreten von negativen Stützlasten kann es zur Trennung von Kugel und Kalotte kommen und es können schwerwiegende Unfälle daraus entstehen. Klassische Beispiele für negative Stützlasten sind das Überfahren von Silomieten oder wenn ein Silowagen rückwärts auf das Fahrsilo geschoben wird.
Wichtig:
Vor jedem Einsatz, aber auch bei einem Fahrerwechsel, ist eine Abfahrtkontrolle durchzuführen. Dabei ist zu prüfen, ob der Niederhalter ordentlich verriegelt ist. Eine tägliche Sichtprüfung auf Verformungen, Risse oder Beschädigungen ist bei jedem Einsatztag erforderlich.

Wartung und Prüfung der Kugelkopfkupplung 80 an jedem Einsatztag:
  • Reinigen der Verbindungsteile  OK
  • Kugel und Kalotte auf Verschlei. prüfen (Sichtprüfung, Prüflehre)  OK
  • Abschmieren  OK
  • Niederhalter auf richtiges Spiel kontrollieren und einstellen  OK
  • Sicherungsbolzen überprüfen  OK
Martin Vaupel
Landwirtschaftskammer Niedersachsen


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