Beruf & Bildung
07.05.2021

Bayern: Erweiterung zur Überbreitenregelung selbstfahrender Arbeitsmaschinen

Die bayerische Staatsregierung hat eine wichtige Erweiterung der Überbreitenregelung für selbstfahrende Arbeitsmaschinen (SAM) in der Land- und Forstwirtschaft vorgenommen.

In Kurzform ausgedrückt vervollständigt ein weiteres Merkmal die Anwendungshinweise für den Verzicht auf ein lof-Begleitfahrzeug zu einer überbreiten SAM (3,01 – 3,50m):

Auf Straßen ab einer Breite von 5,50 m und mehr (gemessen als befestigter Fahrbahnbelag) kann auf ein Begleitfahrzeug auch am Tag bei Sichtweiten unter 100 m und gleichzeitiger zulässiger Höchstgeschwindigkeit von mehr als 70 km/h verzichtet werden, wenn die SAM mit bodenschonender Bereifung ausgestattet ist und mit seitlich hälftigem Reifenüberstand über den rechten Fahrbahnrand fährt. Das Befahren des befestigten Seitenstreifens mit „halben Reifen“ ist zulässig. Schäden am Seitenstreifen (Bankett) durch ein unsachgemäßes Über- bzw. Befahren entstehen muss der Antragssteller tragen (Haftungserklärung.
Die Restfahrbahnbreite von 2,50 m muss eingehalten werden.

Zusammenfassung der Anwendungshinweise

Die SAM-Anwendungshinweise verpflichten den Maschinenbetreiber grundsätzlich zu einem vergleichsweise einfach ausgestatteten Begleitfahrzeug, eröffnen aber gleichzeitig weitgehende Freiräume bei günstigen Verkehrsbedingungen auf das Begleitfahrzeug zu verzichten.

Es ist möglich, eine flächendeckende Dauererlaubnis §29 StVO mit bayernweiter Gültigkeit unter folgenden Voraussetzungen zu erhalten:
  • Fahrzeugbreite der selbstfahrenden Arbeitsmaschine (SAM) 3,01 – 3,50 m
  • Kennzeichnung mit Bayernpaket (heißt: Ausstattungsmerkmale müssen vollständig, funktionstüchtig, sauber und vorschriftsmäßig angebracht sein)
  • § 70 STVZO-Genehmigung für SAM
Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, besteht des Weiteren die Auflage, dass bei Fahrten zusätzlich eine Absicherung nach vorne durch ein privates Begleitfahrzeug (BF-lof) erforderlich ist. Bitte beachten Sie die weitreichenden Ausnahmeregelungen zum lof-Begleitfahrzeug!

Ausnahmen

Sobald eine der folgenden Verkehrsbedingungen (!) vorliegt, kann auf ein privates Begleitfahrzeug (BF-lof) verzichtet werden:
  • auf allen Straßen Nachts und in der Dämmerung
  • Auf allen Innerortsstraßen
  • Auf allen Feld- und Waldwegen mit Einschränkung des allgemeinen Kraftfahrzeugverkehrs
  • auf allen Straßen ab einer Breite von 6,00 m und mehr (gemessen als befestigter Fahrbahnbelag, ohne Seitenstreifen), ohne Autobahnen, Kraftfahrstraßen, autobahnähnliche Straßen 
  • Auf Straßen mit durchgängiger Sichtweite über 100 m ohne Autobahnen, Kraftfahrstraßen, autobahnähnliche Straßen
  • Auf Straßen mit dauerhaften und durchgehenden Geschwindigkeitsbeschränkungen von 70 km/h oder niedriger, welche ein sicheres Anhalten im Begegnungsverkehr innerhalb der vorhandenen Sichtweite gewährleisten
  • NEU: auf Straßen ab einer Breite von 5,50 m und mehr (gemessen als befestigter Fahrbahnbelag, ohne Seitenstreifen), ohne Autobahnen, Kraftfahrstraßen, autobahnähnliche Straßen, wenn auf den Straßenabschnitten, auf denen nach den vorstehenden Angaben ein Begleitfahrzeug erforderlich wäre (in der Regel etwa bei Sichtweiten unter 100 m und gleichzeitiger zulässiger Höchstgeschwindigkeit von mehr als 70 km/h) die SAM
    (1) mit bodenschonender Bereifung ausgestattet ist und
    (2) mit seitlich hälftigem Reifenüberstand über den rechten Fahrbahnrand fährt.

    Der Fahrbahnrand darf ausnahmsweise überfahren werden, wenn
  • Mindestens 50 % der Reifenbreite auf der Fahrbahn bzw. Fahrbahnrand aufstehen und der Seitenstreifen (das Bankett) nicht direkt befahren wird
  • die Verkehrslage dies als eine sachgerechte und vernünftige Maßnahme erscheinen lässt. Dieses ist vorsichtig und mit einer der Verkehrssituation angepassten Geschwindigkeit durchzuführen.
  • Der Seitenstreifen befahrbar und tragfähig ist sowie ausrechend Platz bieten (z. B. Gräben, Leitplanken, Leitpfosten, Bäume, Randsteine, erkennbar nicht ausreichend befestigter Seitenstreifen etc.).
Hiervon unberührt bleibt die Möglichkeit, ausnahmsweise und ggf. auch vollständig auf das Bankett hinauszufahren, etwa zum Zwecke des Ausweichens bei Begegnungen mit dem Gegenverkehr wegen der geringen Breite der Fahrbahn oder zum Zweck des Haltens.

Diese Ausnahmen eröffnen Freiräume für viele Straßen Bayerns und bedeuten, dass auf kurvigen, engen, unübersichtlichen Straßen durch das Begleitfahrzeug zusätzliche Sicherheit für andere Verkehrsteilnehmer, aber auch für den SAM-Fahrer erreicht wird.

Weitere Informationen hält die BLU-Geschäftsstelle bereit.

Das Bayerischen Staatsministeriums des Innern hat federführend für die bayerische Landesregierung die Anwendungshinweise zur Erteilung von Erlaubnissen zur übermäßigen Straßenbenutzung durch überbreite selbstfahrende Arbeitsmaschinen (SAM) der Land- und Forstwirtschaft (AH-StVO SAM) weiterentwickelt.
Das Präsidium des bayerischen Lohnunternehmerverbands begrüßt die vorliegenden Regelungen als einen wichtigen Schritt für einen rechtssicheren Betrieb land- und forstwirtschaftlicher Großtechnik im öffentlichen Straßenverkehr.

Dr. Wesenberg

zur Übersicht

Ihr Ansprechpartner

Geschäftsführer BLU e.V.
Dr. Martin Wesenberg
Telefon: 05031/51945-25
Mobil:0175/9311234
E-Mail: