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26.02.2021

Vorsicht beim Verkauf von Chemikalien, die für die illegal Herstellung von Sprengstoff verwendet werden können

Verdächtige Transaktionen, Abhandenkommen erheblicher Mengen und Diebstähle von Stoffen und Gemischen, die die nachstehenden Chemikalien* enthalten, sind der Polizei nach der Verordnung (EU) 2019/1148** in Verbindung mit dem Ausgangsstoffgesetz** innerhalb von 24 Stunden zu melden.

 Chemikalie:  Wird verwendet als:
 Salpetersäure  Ätzmittel, Metallbehandlung
 Wasserstoffperoxid  Desinfektionsmittel, Bleichmittel
 Schwefelsäure #  Abflussreiniger, Batteriesäure
 Nitromethan #  Treibstoff für Modellmotoren
 Ammoniumnitrat # ###  Düngemittel, Kühlkompressen
 Kaliumchlorat
 Kaliumperchlorat
 Natriumchlorat
 Natriumperchlorat
 Bleichmittel, Sauerstofferzeuger
 Hexamin  Brennstofftabletten
 Aceton  Lackentferner, Lösungsmittel
 Kaliumnitrat, Natriumnitrat,
 Kalziumnitrat
 Düngemittel, Nitratpökelsalz
 Kalziumammoniumnitrat  Düngemittel
 Magnesiumnitrathexahydrat  Düngemittel
 Aluminiumpulver###*
 Magnesiumpulver###*
 Farbpulver, Farbpaste
#: Beachten Sie bitte die Konzentrationsgrenzen für die Abgabe an Privat!
*Bei Konzentrationen über 1% und weniger als fünf Bestandteilen in einer Stoffmischung.
**Verordnung erhältlich unter eur-lex.europa.eu; Ausgangsstoffgesetz im Bundesgesetzblatt Nr. 59/2020
###Bei einer Stickstoffkonzentration (N) von 16 Gew.-% oder mehr im Verhältnis zum Ammoniumnitrat
###*Partikelgrösse unter 200μm und mindestens 70% Anteil bei Gemischen

Bundeskriminalamt, Stand: Februar 2021

Verdachtskriterien* (insbesondere für den stationären Handel)
1. Auftreten des Kunden:
► Nervöser Eindruck, unsicheres Auftreten
► Gibt ausweichende Antworten auf Nachfragen
2. Identität des Kunden:
► Kunde ist nicht bereit seine Identität, seinen Wohnsitz oder ggf. Eigenschaft als gewerblicher Verwender oder Wirtschaftsteilnehmer nachzuweisen.
► Kunde ist nicht bereit zur Überprüfung der Identität einen gültigen amtlichen Ausweis vorzulegen bzw. eine Anschrift und Telefonnummer anzugeben.
► Die Bestellung geht von einer unbekannten Firma aus.
3. Geschäftspraktiken:
► Als Lieferanschrift oder Absender der Bestellung ist eine Privatadresse oder ein Postfach angegeben.
► Bestellungen in unregelmäßigen, nicht nach-vollziehbaren Abständen, einer ungewöhnlichen Menge, Kombination oder Konzentration bzw. ohne offensichtlichen Bedarf
► Kunde besteht auf ungewöhnlichen Zahlungsmethoden (z.B. Barzahlungen, Ablehnung von anderen Zahlungsweisen, Anbieten eines überhöhten Preises).
► Bestellungen von Universitäten oder bekannten Firmen zu den üblichen Konditionen sollen an eine Privatperson geliefert werden.
► Ohne erkennbaren Grund veränderte Bestellpraxis oder keine schriftliche Bestellung
4. Liefermethoden:
► Verdächtige Übergabemodalitäten (z.B. Übergabe an Parkplatz oder Bahnhof)
► Liefer- und Beförderungskosten übersteigen Warenwert
5. Verwendung der Erzeugnisse:
► Kunde verweigert konkrete Angaben zur Verwendung.
► Kunde scheint sich über Verwendung nicht im Klaren, mit ihr nicht vertraut, kann sie nicht plausibel begründen.

* Weitere Kriterien siehe Leitlinien der EU (erhältlich unter eur-lex.europa.eu)

Handlungsempfehlungen
► Setzen Sie sich keiner Gefahr aus!
► Verweigern Sie im Zweifelsfall den Verkauf.
► Beachten Sie die gesetzlichen Abgabevorschriften (insbesondere Art. 5 der Verordnung (EU) 2019/1148).
► Zulässige Überwachungskameras in Betrieb halten.
► Informieren Sie unverzüglich die Polizei!

Was ist zu melden?*
► Genaue Angaben zum Ankaufversuch (Ort, Zeit, Chemikalie, Menge, Angaben des Kunden)
► Personalien des Kunden
► Möglichst detaillierte Beschreibung des Kunden (Größe, Körperbau, Frisur, Haarfarbe, scheinbares Alter, Tätowierungen, Piercings, Narben, Brille und / oder andere Unterscheidungsmerkmale)
► Angaben zum Kundenfahrzeug (Kennzeichen / Typ / Farbe)

Bewahren Sie alle Quittungen, personenbezogene Angaben und Aufzeichnungen von Videoüberwachungssystemen sorgfältig auf. Dokumente, die der Kunde angefasst hat, sind aufgrund der Fingerabdrücke und DNA-Spuren aufzubewahren.

Die Meldung hat innerhalb von 24 Stunden zu erfolgen, nachdem die Transaktion als verdächtig eingestuft wurde (auch wenn die Transaktion abgelehnt wurde).

* * Weitere Hinweise zur Abgabe der Meldung siehe Leitlinien der EU (erhältlich unter eur-lex.europa.eu)

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