Beruf & Bildung
11.02.2021

Bayern: Gutachten sollen Klarheit verschaffen

Mit Beginn der Vegetation werden regelmäßig öffentliche Straßen von Lohnunternehmern und Landwirten mit überbreiten Landmaschinen befahren. Bis zu einer Breite von 3,00 m ist das sowohl für selbstfahrende Arbeitsmaschinen als auch für Schlepper mit angebauten bzw. angehängten Arbeitsmaschinen ohne weitere Auflagen möglich. Bei einer Fahrzeugbreite ab 3,01 m benötigen überbreite Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen eine Genehmigung nach STVZO §70 bzw. eine Erlaubnis nach STVO §29.

Die bayerische Staatsregierung hat bereits im Vorjahr für selbstfahrende Arbeitsmaschinen (SAM) mit einer Breite von 3,01 bis 3,50 m die aktuell gültigen Anwendungshinweise vorgestellt (siehe auch LU aktuell 3 / 2020).  An den Anwendungshinweisen hat sich zwischenzeitlich nichts geändert! Nach wie vor sind die Erlaubnisse nach §29 StVO mit der Auflage zu versehen, dass bei allen Fahrten die Kenntlichmachung der SAM mit dem Bayernpaket und ein land- oder forstwirtschaftliches Begleitfahrzeug (BF-lof) erforderlich sind. Auf das Begleitfahrzeug kann aber bei günstigen Verkehrsbedingungen verzichtet werden, wenn zum Beispiel eine der nachfolgenden Bedingungen zutrifft:
  • auf allen Straßen nachts und in der Dämmerung
  • auf allen Innerortsstraßen (Ortstafel Zeichen 310)
  • auf allen Feld- und Waldwegen
  • auf Straßen ab einer Breite von 6,00 m und mehr (gemessen als befestigter Fahrbahnbelag, ohne Seitenstreifen), ohne Autobahnen, Kraftfahrstraßen, autobahnähnliche Straßen
  • auf Straßen mit durchgängigen Sichtweiten über 100 m, ohne Autobahnen, Kraftfahrstraßen, autobahnähnliche Straßen
  • auf Straßen mit dauerhaften und durchgehenden Geschwindigkeitsbeschränkungen von 70 km/h oder niedriger, welche ein sicheres Anhalten im Begegnungsverkehr innerhalb der vorhandenen Sichtweite gewährleisten.
Aktueller Stand
Bauernverband (BBV), Maschinenringe (KBM) und Lohnunternehmerverband stehen in Kontakt mit der bayerischen Staatsregierung und fordern praxisgerechte Regelungen überbreiter Landmaschinen im öffentlichen Straßenverkehr ein.

Deshalb wurde seitens der Praktiker vorgeschlagen, auf ein BF-lof verzichten zu können, wenn mit den überbreiten SAM nur kurze Streckenabschnitte befahren werden und zusätzlich in risikobehafteten Verkehrsbereichen die Fahrgeschwindigkeit deutlich reduziert wird (max. 20 km/h).

Darüber hinaus gibt es für angebaute bzw. angehängte Arbeitsmaschinen (3,01 – 3,50m) noch keine konkreten Informationen bzw. rechtlichen Zugeständnisse zu einem Genehmigungs- bzw. Erlaubnisverfahren. Bisher war es üblich, Schlepper mit angebautem bzw. angehängtem Gerät vorzuführen.

Ohne die entsprechenden Anwendungshinweise (siehe SAM) können die Maschinen weder Genehmigung noch Erlaubnis erlangen.  Entsprechend ist damit zu rechnen, dass überbreite Anbaugeräte oder angehängte Geräte nicht einmal mit einem BF-lof auf die Straße dürfen, sondern zwingend durch ein Polizei- bzw. Spezialfahrzeug (BF 3) zu begleiten sind.

Lohnunternehmen sollten Investitionsvorhaben für entsprechende angebaute oder angehängte Maschinen (ab 3,01 m) so lange zurückstellen, bis weitere Informationen in der Problematik für Bayern vorliegen.  

Die neuen Gutachten werden für das Bundesland Bayern wichtige Erkenntnisse für den Betrieb von lof-Maschinen auf öffentlichen Straßen hervorbringen.

Dr. Wesenberg


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