Beruf & Bildung
09.11.2020

Mäuseplagen

Bundesweit klagen Landwirte und Lohnunternehmer über das massenhafte Auftreten von Feldmäusen. Zur Bekämpfung der Nagetiere hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) für den Giftweizen Ratron (Wirkstoff Zinkphosphid) eine Notfallzulassung vom 9. September 2020 bis 6. Januar 2021 erteilt.

Das BVL ermächtigt damit den Landesbehörden, zusätzlich zur bisher zugelassenen Ausbringung des Mittels Ratron Giftweizen mit der Legeflinte (NT664) auch eine verdeckte Ausbringung mittels Köderlegemaschine (z.B. WUMAKI) zu gestatten. Der Anwender muss also vorher einen entsprechenden Antrag bei der zuständigen Behörde stellen.

Das ist nach jetzigem Kenntnisstand nicht in allen Bundesländern möglich. In Thüringen, Sachsen-Anhalt undNiedersachsen wurde auf einer administrativfestgelegten Fläche der Einsatzeiner Köderlegemaschine gestattet, wenn nach Mäusebefall die behördlich
vorgegebenen Schadschwellen überschritten werden.

Beispielsweise ist in Niedersachsen der Einsatz auf 5.000 ha erlaubt worden, wobei nach Antragseingang (sogenanntes „Windhundverfahren“) beschieden wird.

Eine Köderlegemaschine zieht einen Gang durch die Ackerkrume, in dem in Abständen das Gift maschinell ausgelegt wird. Der Gang muss zwingend nach oben geschlossen sein, damitandere Tiere nicht an den Köder gelangen. Der Verfahren erleichtert die
Bekämpfung von Feld- und Erdmäuse auf Acker- und Grünland erheblich.

Zum Schutz von Vögeln und anderen Wild- und Haustieren müssen die Köder ausreichend mit Erde bedeckt werden (ins Mauseloch, Gänge verschließen). Offenes und breitflächiges Ausbringen ist verboten und wird streng geahndet. Auch bleiben alle weiteren Auflagen zum Naturschutz unverändert. Besonders gefährdet ist der unter Naturschutz stehende Feldhamster, dessen Vorkommen eine Anwendung erheblich einschränkt oder gar verbietet. Das Landwirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt hat aber Mitte September (vorerst bis Ende Oktober) die Möglichkeiten der Feldmausbekämpfung in Bereichen mit  Feldhamsteraufkommen aus nachvollziehbaren Gründen erweitert.

In allen Bundesländern halten die Landwirtschaftskammern und -ämter, die Pflanzenschutzämter sowie die Unteren Naturschutzbehörden bzw. Umweltbehörden bei den Landkreisen bzw. kreisfreien Städten nähere Auskünfte bereit. Die Behörden kontrollieren das Einhalten der Regelungen zur Bekämpfung der Nagetiere!

Alternativ zum Gifteinsatz kann eine Mäusebekämpfung auch mechanisch erfolgen, wenn diese zu einer intensiven Erdbewegung bzw. Durchmischung führt. Das erfüllt z. B. der Pflug oder entsprechende Tiefengrubber. Die Bearbeitungstiefe sollte 30 cm betragen, um die tiefen Bauten der Mäuse sicher zu zerstören. Selbstverständlich muss einer Grünlanderneuerung ein entsprechender Antrag und positiver Bescheid der zuständigen Landwirtschaftsbehörde vorausgehen.

Regelungen in Sachsen-Anhalt
Die in Sachsen-Anhalt definierten, nachfolgenden Bedingungen zeigen exemplarisch das Verfahren einer zugelassenen Anwendung von Mäusegift:
  • Anmeldung des Gifteinsatzes beim zuständigen Pflanzenschutzdienst 5 Tage vorher unter Benennung der konkreten Fläche. Der Pflanzenschutzdienst gibt u. a. Informationen zum Feldhamsteraufkommen und verweigert gegebenenfalls die Maßnahme.
  • Keine Feldhamster auf der betreffenden Fläche oder in unmittelbar angrenzenden Bereichen. Eine entsprechende Kontrolle ist zu Dokumentieren.
  • Aufzeichnungspflicht für die Maßnahme nach dem Pflanzenschutzrecht.

Dr. Martin Wesenberg

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