Beruf & Bildung
27.10.2020

Wie schütze ich mein Arbeitsgerät?

Landtechnikdiebstahl

Jedes Jahr werden in Deutschland Landmaschinen im Wert von mehreren Millionen Euro gestohlen. Ein Ende der Raubzüge ist nicht in Sicht, die Polizei scheint machtlos gegen die meist gut organisierten Diebesbanden zu sein. Auch wenn der fi nanzielle Schaden zu einem großen Teil durch Kaskoversicherung gedeckt werden kann, wird Arbeitsausfall, Mietkosten usw. meist nicht erstattet. Der Diebstahlschutz ist daher zunehmend ein Thema. Dafür steht eine Palette an herstellerspezifi schen und markenunabhängigen Lösungen zur Verfügung.

Herstellerspezifische und einfache Lösungen
An Traktoren und selbstfahrenden Landmaschinen vieler Hersteller lassen sich mittlerweile neben der Fahrertür optional die Motorhaube, der Tankdeckel sowie die Einfüllöffnungen für Hydraulik- und Getriebeöl verschließen.

Das ist sicher eine Hürde gegen unberechtigte Nutzung und Vandalismus. Aber mehr eben nicht. Zudem benötigt man dafür einen extra Schlüssel, der verloren gehen kann. Nicht ganz von der Hand zu weisen ist die Befürchtung, dass ein verschlossener Tankdeckel brutal geöffnet wird. Der dadurch verursachte Schaden ist dann vielleicht größer als der Verlust an Kraftstoff.

Angeboten werden auch Lenkradsperren, wie sie vom PKW bekannt sind. Manche Werkstätten fertigen eigene mechanische Schutzvorrichtungen, etwa Eisenkonstruktionen, die nach dem Anlegen den Schalthebel oder die Pedalerie im Schlepper fi xieren. Die Landtechnik Oberlausitz GmbH hat eine Lenkzylindersicherung entwickelt. Der „blockierfi x“ wird bei maximalem Lenkeinschlag an der Lenkzylinder-Kolbenstange des Traktors, Mähdreschers oder Feldhäckslers angebracht und mit einem Einsteckschloss gesichert.

Die Maschine kann somit nur noch in einem engen Kreis fahren. Eine simple und kostengünstige Lösung ist das Anbringen eines versteckten Schalters, der den Bordstromkreis unterbricht. Auch wenn der Schlüssel steckt, kann der Traktor dann nicht gestartet werden. Man darf beim Abstellen natürlich nicht vergessen den Schalter zu betätigen. Diebe könnten außerdem durch Beobachtung herausfinden, wo sich der Schalter befi ndet.



Elektronische Wegfahrsperren
Nutzerfreundlicher sind elektronische Wegfahrsperren zum Beispiel in Form eines codierten Fahrzeugschlüssels. Dabei ist der maschinenspezifische Schlüssel mit einem passiven RFIDChip bestückt, der beim Hineinstecken des Schlüssels einen Code an das Empfangsgerät im Anlassschalter übermittelt. Nur wenn der für das Fahrzeug programmierte Code stimmt,  kann gestartet werden.

Die Steuerung und Programmierung von elektronischen Wegfahrsperren erfolgt über die OBD-Box (Onboard-Diagnose). Und hier liegt auch die Schwachstelle dieses Systems. Über den OBD-Stecker, den Servicetechniker für das Auslesen von Fehlermeldungen nutzen, ist es in wenigen Minuten möglich, die Wegfahrsperre zu deaktivieren. Man muss im Internet nicht lange suchen, um Anleitungen (inklusive Video) und Geräte dafür zu fi nden. Natürlich fehlt nirgends der Hinweis, dass diese Hilfe für Fahrzeugbesitzer gedacht ist, deren Zündschlüssel mit integriertem RFID-Chip defekt ist. Tatsächlich wäre in einem solchen Fall eine Anleitung zur Selbsthilfe durchaus nützlich.

Was ist ein RFID-Chip?
RFID ist die Abkürzung für Radiofrequenz-Identifi kation. Mit dieser Technologie können Gegenstände, Geräte und Fahrzeuge durch das Befestigen von so genannten RFID-Tags, zum Beispiel in Form eines Aufklebers oder durch Integration in das Gehäuse, eindeutig markiert werden. Jeder RFID-Tag, auch als RFID-Chip bzw. RFID-Transponder bezeichnet besteht aus einem Mikrochip, auf dem der 96 Bit lange Code gespeichert ist, und einer Antenne.

Man unterscheidet passive und aktive RFID-Tags. Passive RFID-Tags haben keine Batterie. Den Strom zum Senden des Codes erzeugt das Magnetfeld des Lesegerätes, das deshalb sehr nah an den Chip herangeführt werden muss. Moderne Smartphones haben solche Lesegeräte. Hier wird die RFID-Technik als NFC (Nahfeldkommunikation) bezeichnet. Aktive RFID-Tags haben eine eigene Stromversorgung.

Sie können daher über eine Entfernung bis zu 10 m ausgelesen und, da sie über einen  gesonderten Speicher verfügen, auch beschrieben werden. In aktiven RFID-Tags kann zusätzliche Sensorik, z.B. für Temperatur, Erschütterung, Beschleunigung oder Feuchtigkeit untergebracht werden.

Diebesgut per Tracker verfolgen
Eine weitere Möglichkeit, den Diebstahl zu erschweren, ist immer zu wissen, wo sich die Technik gerade befindet. Hierfür gibt es GPS-Trackingsysteme, die mittlerweile bereits ab 100 Euro zu haben sind.

Im Prinzip bestehen die Ortungsgeräte – etwa in der Größe einer Zigarettenschachtel, zunehmend aber auch kleiner – aus einem Empfänger für GPS-Satellitendaten, einem GSM-Mobilfunksender, der wie beim Handy per SIM-Karte identifi zierbar ist, und ggf. einem Akku für die eigenständige Stromversorgung.

Registriert der Tracker einen Impuls, etwa von einem internen Erschütterungssensor, sendet er sofort eine SMS bzw. eine E-Mail an das Smartphone des Besitzers. Solange das Ortungssystem aktiv ist, kann außerdem am PC oder mit einem mobilen Gerät der Standort der Maschine angezeigt und deren Bewegung auf einer digitalen Landkarte live verfolgt werden.

Die Arbeitsweise des GPS-Trackers lässt sich entsprechend der jeweiligen Anforderungen konfi gurieren. So sendet das Gerät mit einer Akkuladung mehrere Jahre, wenn es täglich nur eine Standortmeldung absetzt. Ebenso sind Warnmeldungen möglich, wenn die interne Stromversorgung schwächelt. Sogar die Inbetriebnahme einzelner Aggregate am beobachteten Fahrzeug, etwa der Zapfwelle beim Traktor oder ein Fahrerwechsel, lässt sich gesondert anzeigen.

Aber auch Trackingsysteme haben ihre Achillesferse. Da das GPS-Signal der Satelliten in einer Höhe von über 36.000 km nur mit einer geringen Feldstärke an der Erdoberfl äche ankommt, lässt es sich leicht stören. Schon ein UKW-Radio kann in mittelbarer Nähe des Trackers zu Empfangsfehlern des GPS-Signals führen. Gezielt lässt sich das Signal durch einen Störsender, so genannte GPS-Jammer, stören. Auch dafür gibt es leider Anleitungen im Internet.

Zudem verraten sich die kleinen Ortungsgeräte spätestens, wenn sie Kontakt mit dem nächstliegenden Mobilfunkmast aufnehmen. Jeder kennt das typische Störgeräusch, das dabei gelegentlich im Radio, Telefon und Lautsprechern entsteht. Mit Hilfe eines Hochfrequenz Detektors kann man so die Quelle des Signals aufspüren. Dies ist gegebenenfalls aber recht zeitaufwendig, vor allem wenn der Tracker nur in größeren Zeitabständen kurz sendet. Zudem verwischt sich das Signal durch andere Minisender zum Beispiel in Ampeln, Überwachungskameras und vorbeifahrenden Autos.

HD-Kameras – Bei Videoüberwachung Rechtsvorschriften beachten
Moderne HD-SDI-Kameras mit automatischer Zoomfunktion bei Registrierung einer Bewegung ermöglichen auch unter ungünstigen Lichtverhältnissen gestochen scharfe  Videoüberwachungsbilder. Die Kameras sollten unauffällig und schwer erreichbar montiert werden.

Zur Abschreckung sollten jedoch deutlich sichtbare Schilder auf Überwachungsmaßnahmen hinweisen. Batteriebetriebene Dummies, vielleicht sogar mit blinkender LED, werden allerdings von professionellen Einbrechern schnell als Attrappen erkannt. Wichtig ist es, bei der Installation und dem Einsatz von Überwachungskameras die in Deutschland recht strengen Rechtsvorschriften zur Wahrung der Privatsphäre, sowie des Persönlichkeits- und Datenschutzes zu beachten.

Chemischer Diebstahlschutz – Markierung mit künstlicher DNA
So genannte künstliche DNA ist eine synthetisch hergestellte Flüssigkeit, bei der jede Charge in ihrer Zusammensetzung einzigartig ist. Sie eignet sich daher als nahezu unauslöschliche unter UV-Licht leuchtende Eigentumsmarkierung. Wie bei natürlicher DNA genügen winzige Spuren für den Nachweis. Über eine Datenbank, auf der die Codierungen der künstlichen DNA und die damit markierten Gegenstände und Materialien gespeichert sind, lässt sich die Herkunft von Diebesgut zuordnen. Um die Wirkung zu verstärken,macht man mit grellen, weithin sichtbaren Plakaten auf den Einsatz der künstlichen DNA aufmerksam.

Fazit
Ein Rundum-Sorglos-Paket gibt es nicht, halbwegs wirksamer Schutz der wertvollen Landtechnik vor Kriminellen ist nur durch Kombination von handfesten mechanischen und elektronischen Vorsorgemaßnahmen realisierbar. Ergänzen lassen diese sich durch
Maßnahmen wie Videoüberwachung und Kennzeichnung mit künstlicher DNA, vor allem aber mit Umsicht und Wachsamkeit.

Marco Südmeyer

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Quelle: LVZ Quelle: LVZ

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