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19.10.2020

Schweinepest droht sich in Deutschland auszubreiten

Afrikanische Schweinepest im Südosten Brandenburgs

Seit 2014 grassiert der Virus der Afrikanischen Schweinepest in Europa. Am 10.09.2020 wurde der erste Fall in Deutschland, im Landkreis Spree-Neiße, nachgewiesen. In den folgenden Tagen wurden weitere Fälle an vier toten und einem lebend erlegten Schwein, im Landkreis Dahme-Spree, bestätigt. Somit ist das Virus nun auch in Deutschland angekommen.

Neben den wirtschaftlichen Schäden für schweinehaltende Landwirtschaftsbetriebe, welche durch einen eingeschränkten Fleischexport massive wirtschaftliche Verluste hinnehmen müssen, kommt es für die gesamte umliegende landwirtschaftliche Branche sowie die Einwohner betroffener Gebiete zu erheblichen Einschränkungen.

Erkrankte Schweine haben aufgrund hohen Fiebers ein vermehrtes Bedürfnis Suhlen und Wasserstellen aufzusuchen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung treten dann motorische Störungen und Krämpfe auf.

Der Fund eines toten Wildschweines muss mit GPS-Daten an das zuständige Veterinäramt gemeldet werden. Auch sind Jäger angehalten gesund erlegten Wildschweinen Blutproben zu entnehmen und einzusenden.

Ist bestätigt worden, dass es sich um eininfiziertes Wildschwein handelt, wird um den Fundort ein „Kerngebiet“ mit einem Radius von drei Kilometern ausgewiesen. Um dieses Gebiet schließt sich ein „gefährdetes Gebiet“ mit einem Radius von 15 Kilometer an. Auch um dieses Gebiet wird eine Pufferzone mit einem Radius von 30 Kilometer angelegt.

In Brandenburg wurde bereits um die „Kerngebiete“ Elektrozäune gezogen. Im „Kerngebiet“ sowie dem „gefährdeten Gebiet“, ist von der Behörde die Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Flächen untersagt. Dies schließt ein Jagdverbot sowie das Betreten des Waldes und der offenen Landschaft ein.

Der Hintergrund ist, dass die Wildschweine nicht aufgescheucht werden sollen und in andere Gebiete ausweichen und das Virus verbreiten.

Für die Anwohner bedeutet dies, dass für die Fallwildsuche Grundstücksbetretungen
geduldet werden müssen sowie Hunde an der Leine geführt werden müssen.
Wurde innerhalb des Kerngebietes sowie des gefährdeten Gebietes behördliche Maßnahmen verfügt, welche Nutzungsbeschränkung zur Folge haben, kann der Landwirt Ersatz für den entstandenen Aufwand oder Schaden verlangen.

Mögliche ersatzfähige Schäden sind verzögerte Aussaat, da die verkürzte Wachstumszeit die Erntemenge und Qualität verringern. Außerdem kann die verschobene Dünge- und Pflanzenschutzmaßnahme zu Einbußen führen.

Eine verspätete Ernte kann nur bei nachgelassener Produktqualität finanziell ersetzt werden. Wenn das Personal anderweitig nicht sinnvoll eingesetzt werden kann, ist noch zu prüfen, ob auch hier Personalkosten ersatzfähig sind. Viele Landwirte haben außerdem in den letzten Monaten Versicherungen abgeschlossen.

Der Lohnunternehmer hat keinen Anspruch auf Schadensersatz. Aus diesem Grunde kann an dieser Stelle nur darauf hingewiesen werden, dass Lohnunternehmer Aufträge ausschließlich schriftlich entgegennehmen. Nur dann gibt es die Möglichkeit, von dem Landwirt, aufgrund der behördlichen Betretungsverbote, an den Schadensersatz beteiligt zu werden. Hier empfiehlt es sich den Muster- Werkvertrag im Download-Bereich auf der Internetseite das BLU zu nutzen. Lohnunternehmer sollten außerdem darauf vorbereitet sein, dass Landwirte darauf bestehen, nur Maschinen auf ihren Felder zum Einsatz kommen zu lassen, die vorher nicht in befallenen Gebieten im Einsatz waren.

Dr. Marco Rebhann
Agroservice & Lohnunternehmerverband e.V.


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