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25.09.2020

Durch Insektenbefall verursachter Schadholzeinschlag 2019 im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht

Waldsterben

Stürme, die extreme Dürre, überdurchschnittlich viele Waldbrände und Borkenkäferbefall – das hat den Wäldern in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren immens zugesetzt. Setzt sich die trockene Wetterlage fort, stehen die Wälder auch 2020/21 vor enormen Herausforderungen.

Niederschlagsarm, sonnenreich und heiß – in den vergangenen Jahren verzeichnete der Deutsche Wetterdienst außergewöhnlich warmes und trockenes Wetter.

Die heimischen Wälder litten unter Trockenheit und Hitzeperioden. Schädlinge wie der Borkenkäfer können sich in bereits geschwächten Bäumen besonders schnell vermehren und dann zu einer Population anwachsen, die gefährlich für den Waldbestand werden kann.

Der Grund: Ohne ausreichend Regen können die Bäume kein Harz bilden, dass sonst wie ein natürliches Insektizid wirkt und die Angreifer erstickt. Der Borkenkäfer legte sich diesen Winter (2019/20) kaum zur Ruhe. Viel zu mild waren die Wintermonate, Frost gab es kaum, von Schnee ganz zu schweigen. Der gefährlichste Schädling für den deutschen Wald konnte sich so bis in den Spätherbst unter der Rinde satt fressen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wurde 2019 mit 32 Millionen Kubikmetern fast dreimal so viel Schadholz aufgrund von Insektenschäden eingeschlagen wie im Vorjahr
mit 11 Millionen Kubikmetern. Im Jahr 2017 waren es noch 6 Millionen Kubikmeter.

Waldschäden entstanden aber nicht nur durch Dürre, sondern unter anderem auch durch Stürme, Brände, Schneebruch, sowie Krankheits- und Pilzbefall. Mit knapp 68 % war der
Anteil des Schadholzeinschlags am gesamten Holzeinschlag im Jahr 2019 mehr als dreimal so hoch wie im Jahr 2010 mit 19,7 %.

Im Jahr 2019 wurden 46 Millionen Kubikmeter Schadholz geschlagen. Der Holzeinschlag insgesamt betrug im vergangenen Jahr 68 Millionen Kubikmeter, im Jahr 2010 waren es 54 Millionen Kubikmeter.

Etwa 83 % des gesamten Holzeinschlags 2019 entfielen auf Nadelhölzer wie Fichten, Tannen, Douglasien, Kiefern und Lärchen (insgesamt 56 Millionen Kubikmeter). Von den geschlagenen Beständen der Nadelhölzer wurden 43 Millionen Kubikmeter und somit 77 % aufgrund von geschädigten Bäumen gefällt.

Häufigste Ursache für die Schäden bei Nadelgehölzen war auch hier der Insektenbefall: Er war für 31 Millionen Kubikmeter (73 %) des Schadholzeinschlags verantwortlich.

Immer mehr Bäume zeigen Anzeichen von Trockenstress

Werden Bäume mit zu wenig Wasser versorgt, fällt der Druck ab, mit dem das Wasser von den Wurzeln in die Kronen transportiert wird. Hängende Blätter sind ein erstes Anzeichen dafür. Kritisch wird es, wenn die Bäume ihre Blätter, Früchte oder sogar Äste abwerfen
und ihre Kronen dadurch lichter werden.

Der Anteil von Bäumen mit deutlichen Kronenverlichtungen stieg laut der Waldzustandserhebung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft im Jahr 2019 auf 36 % (2018: 29 %). Für einen Großteil der Bäume (42 %) wurde eine schwache Verlichtung der Baumkrone festgestellt. Nur rund ein Fünftel der Bäume (22 %)
zeigte demnach im vergangenen Jahr keine Kronenverlichtung.

Die Lage ist angespannt, bei den ca. zwei Millionen privaten Waldbesitzern in Deutschland, weil der Erlös aus dem Holzverkauf oft nicht einmal ausreiche, um die Räumungskosten zu tilgen. Geschweige denn, um Wiederaufforstungen zu bezahlen: Diese kosten pro Hektar Wald rund 7000 bis 10.000 Euro. Dabei müssten die Forstleute
eigentlich längst vollauf damit beschäftigt sein, die kahl gewordenen Waldflächen wieder aufzuforsten.

Die betroffenen Wälder sind meist Monokulturen aus Nadelbäumen. Wälder, die ohnehin anfällig sind für die Folgen des Klimawandels. Die Fichten und Kiefern wurden aus historischen Gründen gepflanzt, weil sie schnell wuchsen und daher wirtschaftlich lukrativ waren. 55 Prozent der Wälder in Deutschland bestehen aus Nadelwäldern. Die einst sinnvolle Strategie ist längst ein Risikofaktor: Dem Klimawandel halten die Monokulturen offensichtlich nicht stand.

Bleibt die Frage offen: Welche Bäume kommen mit dem Klimawandel und den  Bedingungen in 20, 50 und 100 Jahren klar?

Quelle: Statistisches Bundesamt
(Destatis)


Jennifer Nickel

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