Beruf & Bildung
15.09.2020

Förderprogramm zur Sicherung von Ausbildungsplätzen

Junge Menschen in der Ausbildung sind durch die COVID-19-bedingten Schließungen von Berufsschulen, Unterbrechungen von Ausbildungen, Kurzarbeit in Ausbildungsbetrieben sowie einer zu erwartenden geringeren Zahl von Neueinstellungen und einer ansteigenden Zahl von Entlassungen in besonderem Maße betroffen.

Inzwischen sind zwar viele Beschränkungen wieder gelockert, aber bei zahlreichen Ausbildungsbetrieben und ausbildenden Einrichtungen ist der Geschäftsbetrieb aufgrund der Corona-Krise immer noch ganz oder teilweise eingeschränkt.

Um jungen Menschen eine verlässliche Zukunftsperspektive zu geben und das zukünftige Vorhandensein qualifizierter Fachkräfte für den Wirtschaftsstandort Deutschland sicherzustellen, hat die Bundesregierung das Förderprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ aufgelegt.

Wichtig: Antragsberechtigt sind kleine und mittelständische Unternehmen (KMU, max. 249 Mitarbeiter), die durch die COVID-19-Krise in erheblichem Umfang betroffen sind.

Davon ist auszugehen, wenn das Unternehmen in der ersten Hälfte des Jahres 2020 wenigstens einen Monat Kurzarbeit durchgeführt hat oder der Umsatz in den Monaten April und Mai 2020 um durchschnittlich mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019 eingebrochen ist. Bei Unternehmen, die nach April 2019 gegründet worden sind, sind statt der Monate April und Mai 2019 die Monate November und Dezember 2019 zum Vergleich heranzuziehen.

Eine Förderung setzt voraus, dass das Unternehmen sein Ausbildungsniveau im Jahr 2020 im Vergleich zu den drei Vorjahren nicht verringert. Verglichen werden die Ausbildungsverträge, die für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossen worden sind, mit dem Durchschnitt der über die letzten drei Jahre (2017–2019) abgeschlossenen Ausbildungsverträge.

Gefördert wird bei Vorliegen der Voraussetzungen durch einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 2.000 Euro für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag. Schaffen diese KMU im Vergleich zu den drei Vorjahren 2020 zusätzliche Ausbildungsplätze, erhalten die Unternehmen einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro für jeden weiteren Ausbildungsplatz.

Die Auszahlung erfolgt jeweils nach dem Ende der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit. Außerdem können antragsberechtigte KMU eine Förderung in Anspruch nehmen, wenn trotz erheblichem Arbeitsausfall (> 50 %) Auszubildende sowie deren Ausbilder nicht in Kurzarbeit gegangen sind und die Ausbildung fortgesetzt wurde.

Darüber hinaus wird die Auftrags- und Verbundausbildung gefördert, wenn die Ausbildung pandemiebedingt anderen Unternehmen, in Überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) oder durch andere etablierte Ausbildungsdienstleister fortgesetzt. Eine Übernahmeprämie dient einer Weiterführung von Ausbildungsverhältnissen bei pandemiebedingter Insolvenz eines ausbildenden KMU.

Die konkreten Förderrichtlinien des Bundes können unter www.aus-undndweiterbildungsallianz.de heruntergeladen werden.

Förderungen durch die Bundesländer
Auch einzelne Bundesländer haben Finanzmittel bereitgestellt, um die Ausbildung in krisengeschüttelten Unternehmen aufrecht zu halten. Informationen zu Maßnahmen und Voraussetzungen sind auf den einschlägigen Internetseiten der Länder sowie bei den zuständigen Stellen verfügbar.

Beispielsweise können Unternehmen in Niedersachsen, die zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen, eine Einmalzahlung erhalten. Nehmen Auszubildende einen weiten Weg zur Lehrstelle in Kauf oder müssen gar umziehen, können Einmalprämien in Anspruch genommen werden. Das Verlängern von Ausbildungsverträgen, weil etwa die Abschlussprüfung coronabedingt verschoben wurde, kann ebenfalls finanziell unterstützt werden. Die Inanspruchnahme gleichgerichteter Programme des Bundes oder der Länder ist nicht möglich.

Schlussbetrachtung
Lohnunternehmen zählen glücklicherweise nicht zu der Betriebsform bzw. Berufsgruppe, die in stärkerem Umfang von der Corona-Pandemie betroffen ist. Es ist nachvollziehbar, dass die Förderung nur Betrieben in akuter Überlebensnot zur Verfügung gestellt wird.

Nach unserer Einschätzung fallen insgesamt nur relativ wenige Betriebe des Agrarbereichs unter die Förderkriterien der Programme von Bund und Ländern zur Sicherung der Ausbildungsplätze.

Dr. Martin Wesenberg

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