Beruf & Bildung
14.07.2020

Wer die Generation Z ausbilden will, muss umdenken!

Generation Z in der Ausbildung

Handysüchtig, anspruchsvoll und ungeduldig - so lauten einige Vorurteile über die neue Generation der Azubis. Was ist dran an den Vorbehalten? Und worauf können Sie sich als Unternehmer freuen?

Die Generation Z tickt anders als die Generationen davor. Sie ist die erste Generation, die mit dem Internet und Sozialen Medien aufgewachsen ist und deren ständiger Begleiter das Smartphone ist. Wenn Sie als Lohnunternehmen und als Arbeitsgeber attraktiv bleiben wollen, stellt Sie das vor die Herausforderung, die Lebenswelt der Jugendlichen kennenzulernen und zu verstehen.

Nicht alle Menschen entsprechen einem Stereotyp
In allen Generationen gibt es zwar einheitliche Merkmale, jedoch entsprechen nicht alle Menschen einem Stereotyp. So bleiben die charakterlichen Ausprägungen und Unterschiedlichkeiten bestehen. Es ist also nicht möglich, einen Menschen nur aufgrund seines Geburtsjahres, pauschal bestimmte Charaktereigenschaften zuzuweisen. Und doch haben viele Jugendliche gemeinsame Werte und Tendenzen, weil sie unter den gleichen wirtschaftlichen, technischen und politischen Verhältnissen aufgewachsen sind.

Arbeitszeiten
Die Generation Z will sich nicht von der Arbeit auffressen lassen. Während der festgelegten Arbeitszeit ist sie leistungsbereit, aber nicht darüber hinaus. Die Arbeitszeit muss berechenbar sein. Soll der Azubi mal länger bleiben, müsse der Chef ihm das frühzeitig sagen und einen Ausgleich anbieten. Der Verweis auf flexible Arbeitszeit, der bei vorhergehenden Generationen noch als Pluspunkt galt, ist für die Generation Z eher abschreckend. Sie vermutet dahinter verdeckte Überstunden oder ein Vermischen der Arbeits- mit der Privatsphäre. Motivierend wirkt Flexibilität erst dann, wenn die jungen Leute eine Familie gründen und ihnen das Unternehmen durch flexible Zeiten entgegenkommt.

Hierarchien
Ob Chef, Meister oder Geselle – die Generation Z betrachtet sich als gleichberechtigt. Sie will auf Augenhöhe behandelt werden, will in ihrer Arbeit Sinn erfahren und ist nicht bereit, nur Handlangerdienste oder niedere Arbeiten auszuführen.

Konzentriertes Arbeiten
Die Generation Z ist schnell – schnell informiert, da 24 Stunden online, aber auch schnell abgelenkt, aus demselben Grund. Wer als Unternehmer diszipliniertes Arbeiten fördern will, kommt mit Anordnungen nicht weiter. Man muss die Jugendlichen mitnehmen, ihnen nachvollziehbar machen, warum es wichtig ist, an einer Aufgabe dranzubleiben.

Motivation
Karriere um der Karriere willen oder um mehr Geld zu verdienen, lockt die Generation Z nicht. Sie will sich bei der Arbeit wohl fühlen, ähnlich wie im Elternhaus sichere Rahmenbedingungen bekommen, eine angenehme Atmosphäre, positives Feedback und eine intensive Betreuung vorfinden. Wer die Generation Z zu mehr Leistung motivieren will, sollte ihr den tieferen Sinn und Zweck jeder Aufgabe erklären, statt nur Aufträge zu erteilen.

Nachfolge
Wenige junge Leute interessieren sich dafür, den Betrieb ihrer Eltern oder ihres Chefs eines Tages zu übernehmen. Das gelebte Vorbild der Älteren mit 60-Stunden-Wochen ohne Pausen und Urlaube widerspricht ihren Vorstellungen von Work-Life-Balance. Prüfen und durchleuchten Sie ihren gesamten Betrieb, ob sie Arbeitszeiten bzw. Aufgaben auch anders organisieren können. Seien Sie als Chef ein gutes Vorbild.

Smartphone
Wollen Unternehmer den ständigen Blick aufs Smartphone unterbinden, braucht es klare Regeln – die für alle gleichermaßen gelten, vom Azubi bis zum Chef. Wird das Smartphone auch dienstlich genutzt, z.B. zum Ausfüllen des Berichtshefts, sollten feste Zeiten dafür vereinbart werden.

Umgang mit Kritik
Während die Jugendlichen ihre Meinung gern unverblümt äußern, reagieren sie selbst empfindlich auf Kritik. Reagieren sie daher unaufgeregt und achten auf gleichberechtigte Kommunikation: Äußert der Azubi seine Meinung, lohnt es sich, diese offen anzuhören und ihm die Möglichkeit zu bieten, seine Überlegungen auch im Team vorzustellen, um sie dann sachlich zu besprechen. Umgekehrt muss Kritik am Verhalten oder an der Arbeit des Azubis ebenfalls auf Augenhöhe stattfinden. Die Generation Z will selbst nachvollziehen, warum eine Arbeit nötig ist und ob die eigene Leistung den Anforderungen entspricht.

Verantwortung
Während es noch bis vor kurzem hieß, Mitarbeiter lassen sich motivieren, indem sie eigenverantwortlich arbeiten dürften, gilt das für die Generation Z nicht. Die Aussicht, aufzusteigen und den Laden eines Tages zu übernehmen, wirkt auf sie regelrecht abschreckend. Eher gelingt es im Jugendlichen über Erfolgsgefühle und Freude an der Arbeit Interesse an einem Aufstieg zu wecken.

Worauf können sich Unternehmer freuen?
Die Generation, die jetzt ins Berufsleben startet, mag ihre Eigenarten haben, an die ältere Mitarbeiter und Chefs sich erst gewöhnen müssen. Doch auf vieles können sich Unternehmer freuen: Diese Generation Azubis ist gegenüber ihren Vorgängergenerationen selbstbewusster und aufgeschlossener, bringt sich viel ein und bringt mit ihrem Wissen über neue Medien neue Impulse ins Unternehmen.

Machen Sie die Generation Z zu Ihren Zukunftsgestaltern.
Im Großen und Ganzen geht es nicht darum, jetzt plötzlich alles im Unternehmen zu ändern, sondern zunächst einmal die Lebenswelt der jungen Menschen von heute zu verstehen. Natürlich gibt es dabei Dinge, über die es sich lohnt, etwas länger nachzudenken und vielleicht die Sichtweise oder die Vorgehensweise der Generation Z in unseren Alltag und in das Unternehmen zu integrieren. Es geht also nicht um einen Konflikt zwischen den
Generationen, sondern vielmehr um unterschiedliche Werte und Erfahrungen. Es „darauf ankommen zulassen“ und auszutesten wer am „längeren Hebel“ sitzt, wäre sicher wenig hilfreich.

Letztlich liegt der Schlüssel zum Erfolg immer in einem gemeinsamen und verständnisvollen Miteinander.

Jennifer Nickel

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Wer die Generation Z ausbilden will, muss umdenken Folgende Punkte spielen dabei eine zentrale Rolle: Wer die Generation Z ausbilden will, muss umdenken Folgende Punkte spielen dabei eine zentrale Rolle:

Ihr Ansprechpartner

Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement, LU aktuell
Jennifer Nickel
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