Beruf & Bildung
18.08.2021

Lohnunternehmerin, Öko-Berater und Bio-Landwirt im Dialog

Wie hoch sind die Hürden einer Zusammenarbeit?

Aus dem Dialog zwischen Lohnunternehmerin Katharina Lingemann, Öko Berater Ulrich Ebert und Bio-Landwirt Wolf Jost wird klar, dass die Zusammenarbeit zwischen  Lohnunternehmen und Biobetrieben ziemlich einfach sein kann. Die Grundlage ist das Gespräch miteinander und das gegenseitige Verständnis.

Ins Gespräch kamen:
  • Ulrich Ebert, Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen, ist unter anderem spezialisiert auf Umstellungsberatung und Marktentwicklung.
  • Katharina Lingemann ist die Juniorchefin des Lohnunternehmen B&L aus Osnabrück, schon seit Jahrzehnten wird sowohl mit konventionellen als auch mit Biobetrieben zusammengearbeitet.
  • Wolf Jost, Betriebsleiter des Biolandbetriebes Iburgshof östlich von Osnabrück. Neben der Landwirtschaft hat er eine Getreideaufbereitung und Vermarktung mit Biobäckereien aufgebaut.
Mit welchen Dienstleistungen kann ein Lohnunternehmer am einfachsten die  Zusammenarbeit mit einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb in der Region suchen?

Wolf Jost: Dienstleistungen, die schon lange zu den Standards gehören, wie zum Beispiel das Dreschen, Häckseln und die Grünfutterbergung, werden auch bei Ökobetrieben gerne
an Dienstleister abgegeben. Hier besteht keine große Hürde für beide Parteien.

Eine Schwierigkeit besteht am ehesten beim Striegeln und Hacken, denn dies sind Kernaufgaben des Bio-Ackerbauern, die möglicherweise ungern an einen Dienstleister abgegeben werden.

Katharina Lingemann: Hier im Umkreis von Osnabrück bekommen wir mit, dass immer mehr Landwirte auf eine ökologische Wirtschaftsweise umstellen. Sie gehören genauso zu unserem Kundenstamm wie konventionelle Landwirte. Wir empfinden es als sehr unkompliziert mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Wie kann man aufeinander zugehen?

Wolf Jost: Wenn der Dienstleister sich nicht nur als „maschinengeil“ darstellt, sondern auch meine grundsätzlichen Einstellungen ernst nimmt, dann ist eine Zusammenarbeit zweifelsohne möglich. Mir sind zum Beispiel der Boden und die Bodenlebewesen sehr wichtig. Ich möchte, dass der Lohnunternehmer, der meine Flächen bearbeitet, darauf Rücksicht nimmt und meine Wünsche ernst nimmt.

Katharina Lingemann: Ein großer Unterschied im Ackerbau ist die Unkrautbekämpfung. Wie schon bei der chemischen kommt es auch bei der mechanischen Unkrautbekämpfung
auf den richtigen Zeitpunkt an und das kann von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich
sein. Wie Wolf Jost sagt, braucht es jemanden, der sich damit auseinandersetzt und den verschiedenen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen gleiche Bedeutung zumisst.

Das ist allerdings nicht nur bei der Unkrautbekämpfung so, sondern man muss bei allen Dienstleistungen mit Kopf und Verstand ran gehen, sonst verliert man das Vertrauen der Kunden. Wobei ich hier keinen großen Unterschied zwischen konventionell und ökologisch wirtschaftenden Kunden sehe. Als Dienstleister muss man die Kundenwünsche ernst nehmen und professionell auftreten, um eine langjährige Partnerschaft aufzubauen.

Wie sieht das in der Praxis aus? Muss man seine Geräte reinigen, bevor man zu einem
ökologisch wirtschaftenden Betrieb fährt?


Ulrich Ebert: Es gibt von den einzelnen Bioverbänden Vorgaben, z.B. dass beim Drusch eine Reinigungscharge gefahren wird, so dass das konventionelle Getreide restfrei aus der Maschine entleert ist, bevor reines Biogetreide abgebunkert wird.

Katharina Lingemann: Wir machend das in der Praxis so, dass wir immer mit einer sauberen und strohbzw. kornfreien Maschine bei dem ökologisch wirtschaftenden Betrieb ankommen. Das ist allerdings kein Mehraufwand, weil unsere Drescherfahrer sowieso dazu aufgefordert sind, nur mit einer sauberen Maschine auf die Straße zu fahren. Wenn man ein sauberes Bild abgibt, dann macht das einfach einen guten Eindruck. Für einen langen Handfeger ist immer Platz auf der Maschine! Auch hier sehe ich keine großen Unterschiede zwischen ökologisch und konventionell wirtschaftenden Kunden.

Wolf Jost: Wenn man die Anforderungen für den Drusch von Saatgut erfüllt, liegt man auch beim Biogetreide schon ganz richtig.

Wie sieht es mit Vorurteilen aus?

Katharina Lingemann: Ich erlebe es so, dass es keine Vorurteile mehr gibt. Im Gegenteil, man kommt gerne aufeinander zu, um voneinander zu lernen. Das Interesse an Hackmaschinen steigt bei unseren konventionell wirtschaftenden Betrieben, so dass hier ein Austausch gerne gewünscht ist. Wir haben selbst noch keine Hacke, aber es wird bestimmt nicht mehr lange dauern, bis auch wir mit einer Hacke losfahren. Wir gehen davon aus, dass der Umsatz, den wir mit dem Pflanzenschutz in den nächsten Jahren machen werden, sinken wird.

Wolf Jost: Mit harten Vorurteilen haben wir nicht mehr zu kämpfen, das Thema ist durch. Auch Demeter-Betriebe oder technikkritische Bio-Urgesteine lassen durchaus den Mähdrusch vom Lohnunternehmer erledigen. Generell ist jeder Landwirt letztendlich Ackerbauer und kann sich gut mit anders wirtschaftenden Bauern über pflanzenbauliche
Problemstellungen unterhalten.

Gibt es Herausforderungen speziell bei der Zusammenarbeit mit Biobetrieben?

Wolf Jost: Einige Betriebe, besonders die mit speziellen Kulturen, haben häufig Eigenbaulösungen für die Drille und die Hacke mit ganz bestimmten Reihenabständen. Dann wird es für den LU nicht mehr ganz so einfach eine Maschine für mehrere Betriebe mit unterschiedlichen Reihenabständen zu finden bzw. auszulasten.

Katharina Lingemann: Eine weitere Herausforderung ist, dass die GPS-Daten exakt und fehlerfrei weitergegeben werden müssen. Es ist zum Beispiel sehr wichtig, dass die GPS-Daten der Drille an die Maschine, die die Hacke zieht, weitergegeben werden können. Am einfachsten ist es, wenn derjenige, der gedrillt hat, auch die Unkrautbekämpfung übernimmt.

Wie kann man aufeinander zukommen?

Katharina Lingemann: Keine Angst haben! Ich sehe da keine Hürde. Es muss ein Dialog zwischen den Betrieben und dem Lohnunternehmen stattfinden.

Wolf Jost: Wenn man einen Kunden haben will, muss man sich um ihn kümmern und muss etwas Ahnung davon haben, wo beim Kunden der Schuh drückt. Das sind im Fall des ökologisch Wirtschaftenden die Vorbehalte gegenüber hohen Radlasten, hohen Reifendrücken und unerfahrenen Aushilfskräften auf zu großen Maschinen.

Katharina Lingemann: Das ist etwas, auf das man bei allen Kunden achten muss.

Ulrich Ebert: Biobetriebe haben ein gutes Netzwerk und sind auch online gut zu finden. Das LU kann eine Biogruppe zu sich einladen, um Maschinen anzuschauen und ins Gespräch zu kommen.

Fazit:
Ob eine Zusammenarbeit zwischen Lohnunternehmen und Landwirt funktioniert, scheint nicht an der Tatsache zu hängen, ob der Landwirt konventionell oder ökologisch wirtschaftet. Viel entscheidender ist, ob die beiden eine vertrauensvolle Basis schaffen können.

Sonja Kreuzer

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