Beruf & Bildung
27.05.2020

Düngeverordnung 2020

Der Bundesrat hat Ende März 2020 in einer Sondersitzung der neuen Düngeverordnung zugestimmt. Nachfolgend tritt die neue DüV mit der Veröffentlichung in Kraft. Die befürchteten Einschränkungen in nitratbelasteten Gebieten werden erst ab 01.01.2021 gültig. Um die Ausweisung der sogenannten roten Gebiete gab es heftige Diskussionen und Demonstrationen. Durch eine verpflichtende Binnendifferenzierung von belasteten Grundwasserkörpern soll die Ausweisung der roten Gebiete künftig nach einheitlichen Kriterien und am Verursacherprinzip orientiert erfolgen. Grundlage hierfür wird eine Verwaltungsvorschrift von Bundesregierung und Länder zur Gebietsausweisung sein, mit der die Grundwassermesssysteme standardisiert werden.

Übersicht der LU-relevanten neuen Regelungen

Düngebedarfsermittlung
  • Das tatsächliche Ertragsniveau der Kultur zur Düngebedarfsermittlung bezieht sich auf die letzten 5 Jahre. Eine stetige Reduktion der durchschnittlichen Ertragsmenge soll so verhindert werden.
  • Ein höherer Düngebedarf infolge nachträglich eintretender Umstände darf den ursprünglich ermittelten Düngebedarf um höchstens 10 % überschreiten
Dokumentation der Düngung
  • Statt Nährstoffvergleich und Bewertung sind jetzt spätestens zwei Tage nach jeder Düngungsmaßnahme schlagbezogen (Name, Größe) Art und Menge des Düngers (Wirtschaft und Mineral), aufgebrachte Menge an N (Gesamt-N, verfügbarer N) sowie P2O5 aufzuzeichnen.
  • Die Mindestwirksamkeit von Rinderund Schweinegülle sowie flüssigen Gärrückstanden ist auf Ackerland ab dem 01.02.2020 und auf Grünland ab dem 01.02.2025 um 10 % zu erhöhen.
Aufnahmefähigkeit des Bodens
  • Stickstoff- oder phosphathaltige Dünger (auch Festmist) dürfen nicht aufgebracht werden, wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist. Die Ausnahmeregelungen für das Ausbringen auf gefrorenem Boden wurden gestrichen.
Herbstdüngung und Sperrfristen
  • Die Sperrfrist für das Aufbringen von Festmist und Kompost wurde um zwei Wochen vom 01.12. bis 15.01. verlängert.
  • Neue Sperrfrist vom 01. Dezember bis zum 15. Januar für P-haltigen Dünger auf Acker-und Grünland.
  • Die Aufbringmenge von Gülle auf Dauergrünland und mehrjährigem Feldfutterbau (Aussaat bis 15. Mai) in der Zeit vom 01. September bis Beginn der Sperrfrist ist auf 80 kg Gesamt-N je Hektar begrenzt.
N-Obergrenze
Der Einsatz von Wirtschaftsdünger ist auf 170 kg/ha Gesamt-N im Betriebsdurchschnitt begrenzt. Nach der neuen DüV-2020 müssen bei der Berechnung der 170 kg N/ha-Obergrenze Flächen, auf denen die Aufbringung von N-haltigen Düngemitteln verboten ist, vor der Berechnung des Flächendurchschnitts von der zu berücksichtigenden Fläche abgezogen werden. Flächen mit Düngebeschränkung dürfen nur bis zur Höhe der tatsächlich zulässigen N-Düngung bei der Berechnung der 170 kg N/ha-Obergrenze für Wirtschaftsdünger einbezogen werden.

Gewässerabstände bei Hangneigung
  • Erhöhung des Gewässerabstand ohne Düngung bei Flächen
  • auf 3 m ab 5 % Hangneigung.
  • auf 5 m ab 10 % Hangneigung
  • auf 10 m ab 15 % Hangneigung.
  • Ab 5 % Hangneigung sind Düngemittel auf unbestelltem Ackerland sofort einzuarbeiten.
  • Auf bestellten Ackerflächen ist die Düngung bei Reihenkultur ≥ 45 cm nur mit Untersaat oder sofortiger Einarbeitung, ohne Reihenkultur nur bei hinreichendem Pflanzenbestand bzw. Mulch-/ Direktsaat zulässig.
  • Verpflichtung zur Aufteilung der Düngegabe ab einer Hangneigung von 10 %, wenn der Düngebedarf mehr als 80 kg Gesamtstickstoff je Hektar beträgt.
Einarbeitungszeit auf unbestelltem Ackerland für flüssige Wirtschaftsdünger
  • 2020: 4 Stunden nach Aufbringung (in roten Gebieten 1 Stunde)
  • 2025: 1 Stunde nach Aufbringung
Was gilt für die roten Gebiete?
In den besonders stark mit Nitrat belasteten Gebieten sind bundesweit folgende Maßnahmen ab dem 31.01.2021 verpflichtend:
  • Verringerung des Düngebedarfs um 20 % im Durchschnitt der Flächen des Betriebes, die dieser in nitratbelasteten Gebieten bewirtschaftet (Ausnahmen für gewässerschonend wirtschaftende Betriebe möglich)
  • Einführung einer schlagbezogenen N-Obergrenze für die Ausbringung von organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln in Höhe von 170 kg Gesamtstickstoff je Hektar
  • Verbot der Herbstdüngung von Winterraps und Wintergerste sowie von Zwischenfrüchten ohne Futternutzung
  • Verlängerung der Sperrfrist für Festmist und Kompost auf drei Monate (1.11. bis 31.01.).
  • Verlängerung der Sperrfrist für Grünland um vier Wochen (01.10. bis 31.01.)
  • Begrenzung der Aufbringung von Gülle auf Grünland im Herbst auf 60 kg Gesamt-N / ha
  • Max. 130 kg N aus organischem Dünger: Der Katalog der Maßnahmen in den nitratbelasteten Gebieten wird zudem um die schlagbezogene Absenkung der Obergrenze von 170 kg Gesamt-N je Hektar und Jahr für organische und organisch-mineralische Düngemitteln auf 130 kg Gesamt-N pro Hektar und Jahr für Ackerflächen ergänzt.
Die Bundesländer werden ermächtigt, zusätzliche Maßnahmen in besonders nitratbelasteten Gebieten zu ergreifen.
(Quellen: Bundesrat, Bundesregierung)



zur Übersicht