Beruf & Bildung
24.02.2020

Was ist bei einem Notfall zu beachten?

Erste-Hilfe im Unternehmen

Ganz gleich ob Schlaganfall, Herzinfarkt oder Ernteunfall – wenn jemand in Not gerät, ist schnelle Hilfe wichtig. Allein in Deutschland erleiden rund 250 Menschen täglich einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Wenn ihnen nicht sofort jemand zur Hilfe kommt, sinken ihre
Überlebenschancen rapide, mit jeder Minute um zehn Prozent. Schon nach fünf Minuten sind die Überlebenschancen nur noch halb so hoch. Beginnt die Hilfe erst nach 15 Minuten, ist es in den meisten Fällen zu spät.

Der plötzliche Herztod ist mit schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Fällen pro Jahr eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Der Rettungsdienst braucht im Schnitt mindestens fünf Minuten, um vor Ort zu sein. Zu lange für die Betroffenen.

Herzdruckmassage als Erste Hilfe
Trauen sich die Anwesenden aber, sofort nach dem plötzlichen Herzstillstand eine Herzdruckmassage durchzuführen, stehen die Chancen gut, dass sie den Spontankreislauf des Körpers wieder in Gang setzen. In diesen Fällen verdoppelt sich die Überlebensrate. Bisher wagen noch zu wenige Menschen, einzugreifen: In Deutschland beginnen nur in rund 15 Prozent der Fälle Laien mit Wiederbelebungsmaßnahmen, zeigen die Daten des Deutschen Reanimationsregisters der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Schweden und Norweger haben den Deutschen da einiges voraus. Hier greifen 60 Prozent der Bevölkerung zu Erste-Hilfe-Maßnahmen, wenn sie zu einem Notfall kommen.

Mehr Ersthelfer in Betrieben
Immerhin: In betrieblichem Umfeld ist die Bereitschaft zu handeln, vergleichsweise hoch. Hier ergriffen die Anwesenden in 34 Prozent der Fälle zu Wiederbelebungsmaßnahmen, in häuslicher Umgebung nur in 12 Prozent der Fälle.

Erste Hilfe im Betrieb:
Haben Sie an alles gedacht?

Bei der betrieblichen Ersten Hilfe müssen zielgerichtete medizinische, organisatorische und betreuende Maßnahmen an Verletzten oder Erkrankten eingeleitet werden. Dafür hat der Unternehmer unter Mitwirkung seiner Beschäftigen folgendes sicherzustellen:
  • Steht Erste-Hilfe-Material (z.B. Verbandmaterial, Rettungsdecke, Krankentrage) vor Ort zur Verfügung?
  • Ist gewährleistet, dass Erste-Hilfe-Materialien bei Verbrauch unverzüglich wieder aufgefüllt und bei Unbrauchbarkeit oder Ablauf des Verfallsdatums umgehend entsorgt und neu beschaffen werden?
  • Sind Verbandkästen an geeigneten, gut einsehbaren und zugänglichen Stellen verteilt? Von ständigen Arbeitsplätzen höchstens 100 Meter Wegstrecke oder höchstens eine Geschosshöhe entfernt?
  • Werden gemäß Gefährdungsbeurteilung (§§ 5,6 ArbSchG) erforderliche medizinische Geräte bereitgestellt?
  • z.B. Automatisierter Externer Defibrillator, Beatmungsgerät
  • z.B. lebensrettende Arzneimittel (wie Antidot bei Flusssäureverätzungen oder Cyanwasserstoffvergiftungen)
  • andere Hilfsmittel (wie Augenspülflaschen, Augendusche, Notdusche, Dekontaminierungslösungen)
  • Stehen aus- bzw. fortgebildete Ersthelfer entsprechend § 26 (1) DGUV Vorschrift 1  mindestens in folgender Zahl zur Verfügung?
  • bei 2 bis zu 20 anwesenden Versicherten ein Ersthelfer
  • bei mehr als 20 anwesenden Versicherten in Verwaltungsund Handelsbetrieben 5 % und
  • in sonstigen Betrieben 10 %
  • Werden Ersthelfer in Zeitabständen von zwei Jahren nachweislich fortgebildet? Erhalten sie auch eine zusätzliche Aus- und Fortbildung, wenn bei Unfällen Maßnahmen erforderlich werden, die nicht Gegenstand der allgemeinen Ausbildung zum Ersthelfer sind (u.a. Umgang mit Gefahrstoffen)?
Was muss dokumentiert werden?
Unternehmen sind dazu verpflichtet, jede Erste-Hilfe-Leistung am Arbeitsplatz in einem Verbandbuch, einem Meldeblock oder in elektronischer Form zu dokumentieren. Wichtig: Die Dokumentationen müssen mindestens fünf Jahre sowie vertraulich aufbewahrt werden. Wer die Daten aufzeichnet, ist nicht festgelegt – empfehlenswert ist es jedoch, diejenige Person damit zu beauftragen, die die Erste Hilfe geleistet hat.

Folgende Punkte müssen dokumentiert werden:
  • Name der verletzen oder erkrankten Person
  • Angaben zum Hergang der Verletzung beziehungsweise Erkrankung
  • Namen der Zeugen
  • Angaben zur Erste-Hilfe-Maßnahme
  • Name des Ersthelfers
Die Dokumentationen dienen als Nachweis und Informationsquelle für nicht meldepflichtige Arbeitsunfälle. Zudem können sie beim Auftreten von Spätfolgen wichtig sein.

Wer muss Erste Hilfe leisten?
Wer als Erster zu einer Unglücksstelle kommt, hat nicht nur moralisch die Pflicht, zu helfen. Auch das Strafgesetzbuch verlangt, dass jeder die Hilfe leistet, die seinen Fähigkeiten entspricht. Weil viele Menschen unsicher sind, was sie tun dürfen, was sie tun müssen und was nicht, hat die DGUV hierzu zwei weitere Broschüren veröffentlicht.

Das „Handbuch zur Ersten Hilfe“ erklärt Schritt für Schritt, wie sich Ersthelfer bei verschiedenen Arten von Notfällen im betrieblichen Alltag verhalten müssen. Die Broschüre „Rechtsfragen bei Erster-Hilfe-Leistung durch Ersthelferinnen und Ersthelfer“ nimmt den Helfern die Angst vor dem handeln.

Selbst wenn dem Ersthelfer ein Fehler unterlaufen sollte, muss er keine negativen Folgen befürchten. Wer nach bestem Wissen Erste Hilfe leistet, um einem anderen Menschen zu helfen, bleibt straffrei. Nur wer nicht handelt, kann wegen unterlassener Hilfeleistung bestraft werden.

Infos und Material über Erste Hilfe
Die Aktion einlebenretten.de der Stiftung Deutsche Anästhesiologie und des Bundesgesundheitsministeriums stellt Materialien und Informationen bereit, mit denen Betriebe die Bereitschaft ihrer Mitarbeiter erhöhen können, im Notfall einzugreifen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat hier eine Checkliste zur Organisation
der Ersten Hilfe im Betrieb veröffentlicht. Und auch die Berufsgenossenschaften (z.B. SVLFG) bieten Material und Kurse an. Zur Unterstützung und Sicherstellung Ihrer Ersten Hilfe im Betrieb bietet WEKA ein Poster an, das das richtige Vorgehen bei Auffinden einer bewusstlosen Person in 10 Sprachen beschreibt.

Erste Hilfe rettet Leben!



Für die BLU-App Nutzer geht es hier zur Bildergalerie!



zur Übersicht