Beruf & Bildung
14.06.2019

Landwirtschaft & Klimawandel

KTBL Tagung 2019 in Darmstadt

Der Klimawandel ist eine Tatsache und die Messwerte der vergangenen Jahrhunderte zeigen einen deutlichen Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen.
Erdgeschichtlich ist das keine Besonderheit, denn Klimaschwankungen sind normal. Die Ursachen dabei sind durchaus vielfältig. Sie entstehen langsam, wie beispielsweise durch periodische Veränderung des Neigungswinkels der Erdachse oder plötzlich durch massive Vulkanausbrüche. In beiden Fällen verändert sich die Wirkung der  Sonneneinstrahlung auf die Temperatur der unteren Erdatmosphäre.

Treibhauseffekt
Der Temperaturanstieg, den wir aktuell erleben, resultiert aus einem „Wärmestau“, dem sogenannten Treibhauseffekt. Dabei erwärmt die Sonne die Erdoberfläche, die wiederum eine langwellige Strahlungswärme in den Weltraum zurückgibt. Wolken, Aerosole und Spurengase allerdings absorbieren ein Teil dieser Strahlungsenergie und führen sie zur Erdoberfläche zurück – wie das Dach im Gewächshaus.

Die Zusammensetzung der Atmosphäre wird seit einigen Jahrhunderten massiv durch den Menschen beeinflusst und verändert. Besonders seit Beginn der Industrialisierung werden vermehrt klimaschädliche Treibhausgase wie Kohlendioxid (Verbrennung fossiler Rohstoffe), Methan (Rinderproduktion), Lachgas (De-Nitrifikation aus stickstoffhaltigen Düngemitteln oder organischer Substanz), FCKW´s usw. freigesetzt, die eine hohe Wirksamkeit haben und für die Erwärmung mit verantwortlich sind.

Besorgniserregend sind aber nicht die Temperaturveränderungen an sich, sondern deren Geschwindigkeit und damit der Einfluss auf Natur, Umwelt und uns. Wie können wir uns darauf einstellen, darauf reagieren? So gehen die Diskussion zu diesem Thema in zwei Richtungen: Bekämpfung der Ursachen um den Klimawandel zu verlangsamen sowie die Strategien mit den Folgen umzugehen.

Wetter ist nicht gleich Klima
Skeptiker des Klimawandels sind „kurzsichtig“, wenn sie beispielsweise das kalte Winterwetter 2018/19 in Nordamerika als Gegenbeweis einer Erderwärmung heranführen. Wetter ist geprägt von kleinräumigen und kurzfristigen Ereignissen, während das Klima
als global und langfristig betrachtet werden muss. Auf der diesjährigen KTBL Tagung in Darmstadt wurden die Auswirkungen der Klimawandels auf die Landwirtschaft intensiv diskutiert. Die wichtigsten bei uns zu erwartenden Effekte sind:
  • Zunahme der Wetterextreme,
  • Winter und Nächte werden wärmer,
  • Verlängerung der Vegetationsperiode,
  • Zunahme der Spätfrostgefahr sowie
  • abnehmende Niederschläge im Sommer und Zunahme im Winter.
Das „Trilemma“ der Landwirtschaft
Die Landwirtschaft befindet sich – und das gilt auch für viele andere Bereiche unseres Lebens – in einem „Trilemma“. Zu einem ist sie Verursacher, da bei vielen Prozessen der Pflanzen- und Tierproduktion Methan und Lachgas frei werden. Auch wenn die grundsätzliche Vermeidung kaum möglich sein wird, so gibt es wirksame Werkzeuge und
Methoden zur Reduktion von Treibhausgasen. Zudem ist die Erzeugung von Nahrungsmitteln nicht nur eine Frage der Qualität, sondern auch der Menge. Die ausreichende Versorgung einer zunehmenden Weltbevölkerung mit Lebensmitteln ist natürlich nicht verhandelbar. Allerdings dürfen wir unsere Konsumgewohnheiten, die durch Veredlung, Convinience Food und einer „Wegwerfmentalität“ zu einer Ausweitung
der Produktion führen, durchaus in Frage stellen.

Die Rolle des Leidtragenden hat die heimische Landwirtschaft nicht zuletzt durch den trockenen Sommer 2018 erfahren. Menge und Qualität sind bisweilen weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Landwirte müssen mit der Wahrscheinlichkeit zukünftiger
Ertragsrisiken neue Strategien der Bewirtschaftung entwickeln. Derzeit gibt es aber noch mehr Fragen als Antworten. Als Folge der oben beschriebenen Effekte werden uns in den kommenden Jahren die folgenden Themen intensiv beschäftigen:
  • Welche neuen Sorten oder Kulturarten passen zu meinem Standort?
  • Wie werden zukünftig lokal angepasste Fruchtfolgen aussehen?
  • Maßnahmen zum Wassermanagement auf dürregefährdeten Standorten?
  • Vermeidung von Wind- u. Wassererosion.
  • Wie umgehen mit Schaderregern, die bessere Lebensbedingungen vorfinden bzw. neu bei uns eine Heimat finden?
Und vor allem: wieviel Zeit haben wir neue Werkzeuge und Methoden zu entwickeln und diese effizient einzusetzen? Bewährte Pflanzenschutzmittel werden durch Resistenzen wirkungslos oder sind aus umwelt- oder gesundheitlichen Gründen nicht mehr einsetzbar.
Die Entwicklungszeit neuer Formulierungen geht nicht von heute auf morgen. Das gilt auch für die Pflanzenzüchtung. Die Entwicklung angepasster oder neuer Sorten wird durch Verbote bestimmter Methoden ausgebremst.

Landwirtschaft kann auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, in dem Bewirtschaftungsformen angewendet werden, die eine Anreicherung des Bodens mit organischer Substanz fördern. Das ist auch im Sinne der Bodenökologie, denn die Fruchtbarkeit der Ackerstandorte hängt vom Humusgehalt ab. Böden werden stabiler gegen Wasser- und Winderosion, speichern mehr Wasser bei Trockenheit, erhöhen
die Aktivität der Bodenlebewesen und werden toleranter gegenüber Bodenverdichtungen. Weitere Aspekte sind Schutz und Renaturierung von Moorstandorten, Förderung der
Grünlandwirtschaft sowie Aufforstungsprogramme.

Viele Punkte sind nicht neu und entsprechendes Handeln ist bereits Grundlage einer guten fachlichen Praxis. Aber es muss weitergehen, denn der Druck ist groß. Klimaschonendes Handeln wird, wie die Diskussion um das Tierwohllabel zeigt, zum Merkmal unserer Produktion werden. Vor allem als Lohnunternehmer werden wir unser Dienstleistungsangebot überdenken müssen. Aber auch die Frage, wie wir mit den Wetterrisiken umgehen und deren Wirkungen besser „verdauen“ können, wird uns zukünftig weiter beschäftigen.





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