Beruf & Bildung
22.07.2019

Gelungene Auftaktveranstaltung mit 100 Teilnehmern

Erster Kongress des polnischen Lohnunternehmerverbandes PZPUR

Am 15.05.2019 fand in Lubon in der Nähe von Posen der erste Kongress des polnischen Lohnunternehmerverbandes mit 100 Teilnehmern statt. Die Vortragsschwerpunkte lagen vormittags auf rein technischen Entwicklungen, nachmittags dann auf dem Bereich Dienstleistung. Wie auch bei unseren Fachtagungen gab es neben einem abwechslungsreichen Vortragsteil für die Teilnehmer genügend Raum und Gelegenheit sich mit Berufskollegen und Herstellern/Händlern auszutauschen.

BIG DATA in der Landwirtschaft
Wie überall war auch in Polen die Digitalisierung in der Landwirtschaft Hauptgesprächs- und Vortragsthema. Prof. Dr. Edmund Lorencowicz von der Universität für Biowissenschaften in Lublin berichtete in seinem Vortrag mit dem Titel „Big data, big problem – Landwirt und Digitalisierung” über das Nutzungsverhalten digitaler Systeme
in der Landwirtschaft. Der polnische Landwirt verwendet die Daten hauptsächlich zur Entscheidungsfindung bei der optimalen Flächenbewirtschaftung.

Der Vortrag befasste sich zudem mit den Herausforderungen und Risiken der Digitalisierung. Neben der enormen Menge an Datenerfassungssystemen in Maschinen und mit mobilen Geräten kam auch die Datensicherheit und Cloudlösungen zur Sprache.

Wachstumskarten und Crop Sensorik
Die optimale Anwendung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln war außerdem zentraler Bestandteile des Kongresses. Die Digitalisierung und der technische Fortschritt ermöglichen eine Kartographie von Ackerschlägen unter verschiedenen Gesichtspunkten. So kann beispielsweise der Wasserpegel auf dem Acker, wie auch der Feuchtigkeitshaushalt der Pflanze bzw. ihre Entwicklung überprüft werden. Dies geht über bodennahe Sensoren angebracht am Traktor, mittels Drohnentechnik im Flug über das Feld oder sogar satellitengestützt.

Mit diesen Daten ließen sich bedarfsgerechte Bewässerung der Pflanzen sowie optimale Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Düngermitteln bewerkstelligen. Die Frage der Darstellung der Daten in einem Anwendungssystem wurde in einer weiteren Präsentation von 365 Farmnet vorgestellt. Die technischen Möglichkeiten und erforderlichen Einstellungen an Maschinen und Gerätschaften für eine bedarfsgerechte Nährstoffausbringung erläuterte Dr. Dawid Wojcieszak von der naturwissenschaftlichen Universität von Posen. Ein gelungenes, aufeinander abgestimmtes Programm.

Betriebswirtschaftliche Aspekte der Dienstleistungen
Der zweite Vortragsteil befasste sich mit der Situation landwirtschaftlicher Dienstleister. In seinem zweiten Vortrag arbeitete Prof. Dr. Lorencowicz betriebswirtschaftliche Aspekte heraus und stellte Kalkulationsgrundlagen für den Einsatz unterschiedlicher
Landtechnik vor. Entscheidend für die Kalkulation seien sowohl die zu berücksichtigenden
Reparaturkosten, die sich allerdings schwer im Voraus ermitteln ließen. Als auch der optimale Einsatzzeitpunkt, der eine nicht zu unterschätzende Rolle spiele. Prof. Dr. Lorencowicz stellte fest, dass die bisherige Entwicklung in der Landwirtschaft (auch in Polen) zu immer einfacheren, schnelleren und günstigeren Dienstleistungen auf Dauer nicht funktionieren wird. Die Kenntnis der tatsächlichen Kosten in den Unternehmen sei ein wichtiger Faktor, um dauerhaft am Markt bestehen zu bleiben.

Daran anknüpfend durfte ich die Situation der Lohnunternehmer in Deutschland sowie die Bedeutung und Funktion unseres Verbandes vorstellen. Die Entwicklung des Verbandes seit Ende der 90er Jahre verdeutlicht die Wichtigkeit von Zusammenhalt einer bestimmten Unternehmensgruppierung. Nur gemeinsam in einem starken Verbund ließen sich effektive Lobbyarbeit, Beratung und Aus- und Fortbildung erreichen.

Zum Abschluss veranschaulichte Herr Dworakowski von der Agromix Rojeczyn (Händler und Lohnunternehmer) wie schwierig sich der Sektor seit den 90er und 2000er Jahren entwickelt hat – in dem sich nach seiner Auffassung noch gut Geld verdienen ließe. Die mit landwirtschaftlichen Produkten erzielten Erlöse reichten nicht mehr aus, um die Kosten für Technik und Mitarbeiter im landwirtschaftlichen Bereich zu decken. Er mahnte einen notwendigen Zusammenschluss der Dienstleister in diesem Bereich an, andernfalls sehe er diesen Sektor schwinden.

Alles in allem war der Kongresse ein sehr gelungener und runder Tag. Deutlich wurde, dass die Themen, die unsere Branche in Deutschland prägen, dieselben sind, wie für die Kollegen in Polen. Umso wichtiger ist es, das wir im Austausch miteinander stehen und so voneinander profitieren können.

Weitere Infos unter Polski Związek Pracodawców-Usługodawców Rolnych (PZPUR), http://www.uslugirolne.pl/



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Sebastian Persinski stellt den BLU auf dem polnischer Kongress vor Sebastian Persinski stellt den BLU auf dem polnischer Kongress vor