Beruf & Bildung
10.09.2019

Das neue Ausbildungsjahr beginnt – Tipps für Ausbilder

Am 1. August beginnt mit dem Ausbildungsstart ein neues Kapitel für viele Jugendliche und junge Erwachsene. Doch welche Rechte und Pflichten haben Azubis in der Ausbildung? – Wir geben einen kurzen Überblick

Dauer der Probezeit
Die Probezeit steht am Anfang der Ausbildung und dient dem gegenseitigen Kennenlernen von Azubi und Ausbildungsbetrieb. Laut §20 des Berufsbildungsgesetzes muss die Probezeit in der Ausbildung mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen. Während der Probezeit können beide Vertragsparteien von heute auf morgen und ohne Begründung das Ausbildungsverhältnis schriftlich kündigen.

Angemessene Ausbildungsvergütung
Die Höhe der Ausbildungsvergütung wird mit dem Ausbildungsvertrag festgelegt und muss während der Ausbildungszeit mindestens jährlich ansteigen (§ 17 Berufsbildungsgesetz). Die monatliche Ausbildungsvergütung liegt derzeit zwischen 635,- € und 695,- €, kann aber je nach Bundesland variieren.

Zusätzlich zu Ihrer Ausbildungsvergütung können die Auszubildenden eine leistungsabhängige Prämie erhalten, wenn im Endzeugnis des 1. Berufsschuljahres, im Zwischenprüfungszeugnis im 2. Ausbildungsjahr bzw. im Abschlusszeugnis der Berufsausbildung im 3. Ausbildungsjahr besondere Notendurchschnitte erreicht werden.



Ausbilder muss Azubi für Berufsschule freistellen
Nach §15 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) gilt prinzipiell, dass der Ausbilder seinen Azubi für die Teilnahme am Berufsschulunterricht sowie an Prüfungen freistellen muss – sofern die Berufsschule während der Arbeitszeit stattfindet.

Eine Berufsschulwoche mit planmäßigem Blockunterricht von mindestens 25 Stunden an fünf Tagen kann der minderjährige Azubi mit 40 Zeitstunden anrechnen. Auch volljährige Azubis können die Zeit für den Berufsschulunterricht, für Pausen und den Schulweg voll auf die Arbeitszeit anrechnen, maximal jedoch acht Stunden täglich. Dauert die Berufsschule weniger als acht Stunden, muss die fehlende Zeit im Betrieb gearbeitet werden.

Urlaub in der Ausbildung
Jeder Azubi hat Anspruch auf Urlaub in der Ausbildung. Die Mindestanzahl an Urlaubstagen wird durch das Arbeitsrecht bestimmt, wobei für minderjährige Azubis andere Bestimmungen gelten als für volljährige Auszubildende. Die genaue Anzahl an Urlaubstagen pro Kalenderjahr (nicht Ausbildungsjahr!) ist im Ausbildungsvertrag festgelegt und wird entweder in Werktagen oder in Arbeitstagen angegeben. Urlaub kann nur für die Arbeit im Betrieb, aber nicht für den Schulunterricht verwendet werden.

Alter am 1.1. eines Jahres – Werktage
Noch nicht 16 Jahre                30
Noch nicht 17 Jahre                 27
Noch nicht 18 Jahre                 25
Ab 18 Jahren                            24
Quelle: Jugendarbeitsschutzgesetz

Arbeitszeit und Pausen
Die Dauer von Pausen- und Arbeitszeiten in der Ausbildung ist gesetzlich genau vorgeschrieben. Für minderjährige Azubis gelten die Bestimmungen im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArb-SchG), bei volljährigen Auszubildenden ist das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) entscheidend.

Azubis dürfen pro Tag nicht länger als 8 Stunden arbeiten. Die wöchentliche Arbeitszeit ist bei Volljährigen auf 48 Stunden pro Woche begrenzt, bei minderjährigen Azubis sind es 40 Stunden. Diese dürfen auch nur an 5 Tagen pro Woche arbeiten. Abweichungen und Ausnahmen sind unter bestimmten Umständen erlaubt.

Minderjährige Azubis (unter 16) dürfen zwischen 20.00 und 6.00 Uhr und ältere Jugendliche zwischen 21.00 und 5.00 Uhr nicht arbeiten. In der Ernte dürfen Jugendliche über 16 Jahre ausnahmsweise bis zu neun Stunden arbeiten, jedoch maximal 85 Stunden innerhalb von zwei Wochen. Die geleisteten Überstunden müssen Sie Ihrem Azubi durch Verkürzung der Arbeitszeit innerhalb von drei Wochen ausgleichen.

Während der Arbeitszeit müssen bestimmte Ruhepausen eingehalten werden, die der Azubi frei nutzen kann. Bei Minderjährigen gilt: Nach 4,5 bis 6 Stunden Arbeitszeit muss mindestens eine halbe Stunde Pause gemacht werden. Nach mehr als 6 Stunden Arbeit muss die Pause 1 Stunde lang sein. Volljährige Azubis müssen nach spätestens 6 Stunden Arbeitszeit eine Pause von mindestens 30 Minuten machen. Nach mehr als 9 Stunden Arbeit sind 45 Minuten Pause vorgeschrieben.

Sie dürfen Ihren minderjährigen Azubi grundsätzlich nur an fünf Wochentagen beschäftigen. Dabei sollten die zwei wöchentlichen Ruhetage möglichst aufeinanderfolgen. Wird Ihr minderjähriger Azubi (mindestens 16 Jahre alt) auch mal samstags oder sonntags beschäftigt, müssen Sie ihnen als Ausgleich aber in derselben Woche an einem anderen berufsschulfreien Arbeitstag freigeben. Minderjährige Azubis müssen mindestens zwei freie Wochenenden im Monat haben.



Überstunden ab und an erlaubt
In der Ausbildung sind Überstunden eigentlich nicht vorgesehen. In Arbeitsspitzen ist ausnahmsweise eine Arbeitszeit von zehn Stunden/Tag möglich. Sogar eine 60 Stunden-Woche ist rechtlich erlaubt, wenn Ihr Azubi innerhalb von 6 Monaten durchschnittlich nicht mehr als 48 Stunden/Woche gearbeitet hat. Ihrem minderjährigen Azubi müssen Sie für die Mehrarbeit einen Freizeitausgleich gewährleisten. Sie dürfen die Überstunden nicht bezahlen. Anders ist dies bei volljährigen Azubis. Hier können Sie entscheiden, ob Sie die Überstunden finanziell vergüten oder einen Freizeitausgleich geben.

Minusstunden sind ein No-Go
Minusstunden sind in der Ausbildung nicht rechtens. Laut Berufsbildungsgesetz sind Auszubildende im Unternehmen beschäftigt, um einen Beruf zu lernen. Schicken Sie den Azubi also nach Hause, weil es nicht viel zu tun gibt, dann zählt das als bezahlte Freistellung – und damit gibt es keine Minusstunden.

Wann endet das Ausbildungsverhältnis?
In der Regel endet das Ausbildungsverhältnis nach dem Berufsbildungsgesetz mit Ablauf der im Vertrag vereinbarten Ausbildungszeit.

Erfolgreiche Prüfung vor Ende der vereinbarten Ausbildungszeit

Findet die Gesellen- oder Abschlussprüfung vor Ablauf der vertraglich vereinbarten Ausbildungszeit statt, dann endet das Ausbildungsverhältnis mit Bestehen der Prüfung. Am letzten Prüfungstag wird vom Prüfungsausschuss eine vorläufige Bescheinigung ausgestellt, worin das Bestehen oder Nichtbestehen angekreuzt ist. Mit Datum dieser Bescheinigung ist - bei Bestehen - das Ausbildungsverhältnis beendet. Der Ausbildungsbetrieb sollte sich diese Bescheinigung sofort vom Auszubildenden vorlegen lassen.

Nichtbestehen der Prüfung

Besteht der Auszubildende die Prüfung nicht, so endet das Ausbildungsverhältnis mit dem Enddatum des Ausbildungsvertrages, es sei denn, der Auszubildende verlangt vom  Ausbildenden eine Verlängerung der Ausbildung. Diese Verlängerung erstreckt sich bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung, jedoch maximal um ein Jahr.

Bei Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses hat der Auszubildende einen gesetzlichen Anspruch auf ein Ausbildungszeugnis.

JN

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