Beruf & Bildung
01.11.2018

Mit dem Mähdrescher quer durch die USA

Katja‘s Harvest Tour

Katja Glenk hat sich 2017 ihren Traum erfüllt: eine Erntesaison in den USA mitzumachen. Nach der Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice beim Lohnunternehmen Frank Scholz (Hessen) zog es die 21-jährige in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die großen Maschinen konnten Katja dabei nicht von ihrem Vorhaben abschrecken, denn aufgewachsen ist die gebürtige Baden-Württembergerin auf dem Lohnbetrieb ihrer Eltern in der Hohenloher Ebene, die etwa 50 km südlich von Würzburg liegt.

Green Acres Enterprises

Nach einiger Vorbereitungszeit, dem Zusammenstellen von Bewerbungsunterlagen und dem Beantragen eines Visums startet im April letzten Jahres das 9-monatige Abenteuer USA. Als Praktikumsbetrieb hatte sich Katja das Ernteunternehmen Green Acres Enterprises, welches seinen Betriebssitz in Elk City (Oklahoma) hat, ausgesucht. Neben zwei GPS gesteuerten Mähdreschern der Marke John Deere mit einem Premium Flow und einem Flex Drapper Schneidwerk, gehören noch ein Traktor mit Überladewagen, sowie zwei LKW mit  Getreideaufliegern und Tiefladern zum Maschinentransport zur Flotte dazu. Auf den Maschinen gibt es keine festen Fahrer, jeder darf alles fahren, wobei Wünsche und Vorlieben berücksichtigt werden.

Vom Süden in den Norden dreschen Das Lohnunternehmen folgt der Abreife der verschiedenen Feldfrüchte quer durch den Mittleren Westen der USA – angefangen im Süden von Oklahoma bis an die kanadische Grenze. Es werden Weizen, Hafer, Gerste, Raps, Flachs, Sorghum, Sesam, Sojabohnen und Körnermais geerntet und abtransportiert. Unterstützung bekommt die Unternehmerfamilie jedes Jahr von jungen Leuten aus dem Ausland. So lernte Katja unter anderem die Australierin Clare kennen, mit der sie bis heute noch Kontakt hält.

Im Verlauf der Saison lebt die Ernte-Crew in einem rollenden Zuhause, bestehend aus zwei Wohnwagen. Dies ermöglicht dem Lohnunternehmen unter anderem eine flexiblere Auftragsabarbeitung. Während Katja und ihre Kollegin Clare noch Flächen in Elk City
abdroschen, machte sich der Rest der Crew schon auf den Weg nach Norden. Die meisten Farmer bei denen gedroschen wird, sind Stammkunden. Trotzdem macht das Unternehmen Werbung für sich mit Flyern, die an die Farmer verteilt werden.

„Die beste Werbung ist jedoch, genau wie bei uns in Deutschland auch, für gute Arbeit bekannt zu sein.“

Die Kunden von Green Acres Enterprise geben durchschnittlich 280 ha Druschfläche in Auftrag. So kommen pro Jahr rund 2.400 ha Einsatzfläche je Mähdrescher zusammen. Morgens vor Erntebeginn findet die tägliche Wartung der Maschinen statt. Regentage werden für Inspektionen und Reparaturen genutzt. Dazu ist ein Service-Pickup mit Werkzeug und den gängigen Ersatzteilen immer mit dabei.

Im Süden, unterhalb von Kansas, gehen 95 % des Getreides sofort an den abnehmenden Handel, der selten weiter als 20 km entfernt ist. In Northund South-Dakota hingegen haben viele Farmer eigene Silos und lagern ihre Ernte selbst ein, um auf eventuell bessere Preise zu warten.

Die Ernte des weißen Goldes

Nach der Getreideernte ging es für die Crew zurück zum Betriebsstützpunkt in Elk City, wo das Unternehmen in einem Radius von 100 Meilen die Baumwollernte anbietet. Hierbei wird zwischen zwei Verfahren unterschieden: der Ernte mit dem Cotton-Picker (Cotton=-
Baumwolle) oder dem Cotton-Stripper. Mit dem Picker werden nur die reifen Kapseln gepflückt, wobei jedes Feld mehrmals zeitlich versetzt beerntet wird. Der Stripper dagegen erntet alle Kapseln in einem Arbeitsgang, was zur Folge hat, dass die Qualität der Baumwolle etwas niedriger ist. Da dieFlächen nur einmal angefahren werden müssen, ist der Stripper eher bei Lohnunternehmen verbreitet.

Auch das Unternehmen der Familie Misener verwendet einen Stripper nach dem klassischen Ernteverfahren. Hierbei wird die Baumwolle zu einer Presse am Feldrand transportiert und in einer oben und unten offenen Presskammer zu einem großen Block gepresst. Ist ein Block fertig, wird die Heckklappe geöffnet und die Presse vorwärts weggefahren. Bei neueren Maschinen wird die Baumwolle direkt in der Erntemaschine zu Rundballen gepresst und mit Folie gebunden. Ein fertig gepresster Quaderballen wiegt rund 18.000 Pounds (~ 8 Tonnen). Nach der Reinigung in den Fabriken, auch Gin genannt, bleiben am Ende etwa 1/3 reine Baumwolle übrig. Den Rest bilden Stängel, Samen und Verunreinigungen. Aus den protein- und ölhaltigen Samen wird unter anderem Viehfutter hergestellt.

„Es war einfach nur großartig und hat alle meine Erwartungen übertroffen!“

Mit diesem Praktikum hat sich Katja einen lang gehegten Traum erfüllt. Und auch die große Entfernung nach Deutschland spielte nach einiger Zeit nur noch eine untergeordnete Rolle, da sie sich durch die Gastfamilie und Kollegen sehr gut integriert fühlte.

Allen Leuten die jetzt Interesse an einem solchen Abenteuer haben, kann Katja nur raten: „Traut euch! Geht ins Ausland und macht eure Erfahrungen solange ihr noch jung seid und die Zeit dafür habt, damit ihr euch später nicht ärgert, diese Chance nicht genutzt zu haben. Die Erinnerungen kann euch niemand mehr nehmen.“





zur Übersicht