Beruf & Bildung
17.08.2018

Image und Akzeptanz in der Landwirtschaft fördern

Mitfahrticket und Versicherungsschutz

In der Maiausgabe berichteten wir über die Aktion „Mitfahrticket“, um interessierten Mitmenschen die Möglichkeit zu geben einmal in einem landwirtschaftlichen Fahrzeug mitzufahren und Ihnen einen Einblick in die Arbeiten innerhalb der Landwirtschaft zu geben. Dies könnte nicht nur die Akzeptanz zu den in diesem Bereich tätigen Berufsgruppen fördern, sondern möglicherweise auch das Interesse des Mitfahrers an der Landwirtschaft und Lohnunternehmen wecken. Es ist damit ein weiterer Baustein um das Image und die Akzeptanz der Branche zu verbessern.

Sicherlich stellt sich bei dem einen oder anderen Lohnunternehmen ein mulmiges Gefühl ein, fremde Personen auf das Betriebsgelände und auf dem Fahrzeug mitzunehmen. Die Klärung haftungsrechtlicher Fragen ist zwingend notwendig, um eine derartige Aktion mit gutem Gewissen durchführen zu können. Schließlich sind Betriebsgelände und der Straßenverkehr selbst nicht ohne weiteres gefahrenlos.

Die Sicherheit sollte bei derartigen Aktionen an erster Stelle stehen. Der Ablauf der Aktion „Mitfahrticket“ sollte im Voraus betrieblich mit allen Mitarbeitern besprochen und der Bewegungsradius der Person definiert werden. Ist ein Besuch der Werkstatt oder etwaiger
Lager nötig und wenn ja, gefahrlos möglich oder sollten gewisse Bereiche gemieden werden. Die Fahrtwege der Logistikkette sollten aus einem sicheren Bereich beobachtet und der Teilnehmer möglichst direkt und gesondert abgeholt werden. Auch die Zuständigkeit der Verantwortlichkeit für den Mitfahrer sollte im Vorfeld geklärt werden. Wenn nicht der Betriebsinhaber selbst, sollte nur ein erfahrener langjähriger und zuversichtlicher Mitarbeiter, der das auch gerne tut, zuständig sein.

Ein kompletter Schutz lässt sich nicht bieten und wird sicherlich auch versicherungsrechtlich nicht vorhanden sein. Allerdings sollten die möglichen Gefahren auf dem Betrieb oder bei den jeweiligen Arbeitsplätzen minimiert werden.

Der Besuch betriebsfremder Personen auf dem Betriebsgelände müsste von der Betriebshaftpflicht versichert sein. Beim Kfz müsste für das Mitfahren die Kfz-Haftpflicht im Falle von Unfällen eintrittspflichtig sein. Eine gesonderte Insassenunfallversicherung ist damit regelmäßig nicht erforderlich. Vor Durchführung einer solchen Aktion kann nur dringend empfohlen werden, diese Haftungsfragen vorab mit den besagten Versicherungen zu besprechen und sich eine schriftliche Versicherungsbestätigung einzuholen.

Dass der „Beifahrersitz“ im Schlepper, Häcksler oder Drescher von den Herstellern teilweise als Platz eines Einweisers oder Instrukteurs deklariert wird, dürfte davon unabhängig sein. Nach § 21 der StVO reicht ein besonderer Sitz aus. Darunter ist jede Vorrichtung zu verstehen, die nach Ihrer Bauart dazu bestimmt ist, als Sitz zu dienen, mag diese Zweckbestimmung auch nicht die ausschließliche sein. Geeignet ist eine Sitzgelegenheit nur dann, wenn man auf ihr sicher sitzen kann. Im land- oder forstwirtschaftlichen Bereich wird darunter auch die Ladefläche des Anhängers angesehen. Der Sitz sollte zur Sicherheit des Mitfahrers zwingend mit Anschnallgurten (die auch verwendet werden!) versehen sein.

Beförderungen von Kindern bis zum Vollendeten 12. Jahr, die kleiner als 1,5 m sind in Kfz grundsätzlich mit anerkannten Rückhaltesystemen zulässig. Wie diese Regelung bei landwirtschaftlichen Fahrzeugen zu werten ist, ist unklar. Deshalb sollten die Mitfahrer stets älter und größer sein. Bei Minderjährigen ist es ratsam, die Teilnahme elterlich bestätigen zu lassen.



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