Pflanzenöl - Fachtagung NDS

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Der Landesverband Niedersachsen hat am 09. Juni eine Fachtagung zum Thema „Rapsöl in Dieselmotoren in Wildeshausen angeboten. Etwa 100 Besucher konnten sich durch Fachvorträge eines Ölmühlenbetreibers, eines Motorenumrüsters und eines rapsölerfahrenen Lohnunternehmers einen Eindruck von den Rahmenbedingungen bzw. Voraussetzungen für den Einsatz des biogenen, regenerativen Kraftstoffs machen.

Die Verbraucherpreise für fossile Kraftstoffe befinden sich auf Rekordniveau. Experten gehen davon aus, dass die Preise auch in Zukunft weiterhin steigen werden. Als Gründe werden vor allem anhaltende Nachfrage insbesondere aus Fernost, steigende Förderkosten sowie die Marktdisziplin auf der Angebotsseite in Verbindung mit den staatlichen Belastungen durch Mineralöl- und Ökosteuern genannt.

Weiterhin prognostizieren Experten den biogenen Treibstoffen eine große Zukunft. Zur Zeit teilt sich der deutsche Kraftstoffverbrauch in 50 % Diesel, 48 % Benzin und 2 % biogene Kraftstoff auf. Diese 2 % werden nahezu vollständig von Biodiesel abgedeckt (Verbrauch 2004: 900.000 t entspricht 600.000 ha Anbaufläche). Mit einem Anteil von 1 % am Biokraftstoffverbrauch spielt Pflanzenöl momentan noch eine untergeordnete Rolle.
Zu den aussichtsreichen Biokraftstoffen zählen heute Biodiesel (RME), Pflanzenöle (hier vorrangig Rapsöl), Bioethanol (Alkohol), Synth. Kraftstoffe (Sunfuel) und Biogas (Methan). Der Anteil von Biokraftstoffes soll in der EU bis 2010 auf 5,75 % gesteigert werden, es ist weiterhin zu erwarten, dass Biokraftstoffe aus Ölpflanzen, Getreide, Zuckerrüben, Zuckerrohr, spezielle Energiepflanzen sowie Wald- und Restholz bis 2020 unsere Energieversorgung bis zu 25 % übernehmen können.

Die weitere Entwicklung, d. h. die Substitution von fossilen Kraftstoffen durch Rapsöl, Biodiesel, etc. wird neben der technischen Machbarkeit vor allem die Verfügbarkeit bzw. das Preisverhältnis beider Kraftstoffalternativen bestimmen. Folgende Aspekte stehen im Vordergrund der Überlegungen:
- wie entwickelt sich Angebot und Nachfrage nach Öl?
- wie entwickelt sich Angebot und Nachfrage nach Lebensmitteln?
- welche Züchtungsfortschritte für Energiepflanzen in quantitativer und qualitativer Hinsicht sind noch zu erwarten?
- welche Entwicklung nimmt der technische Fortschritt

Schon heute sprechen einige Gründe für den Einsatz von Pflanzenöl in Dieselmotoren:
- Preiswürdigkeit: Rapsöl kann zu einem aktuellen Preis von 0,60 – 0,63 ¤/l bezogen werden und ist damit deutlich günstiger als Diesel (ca. 0,85 ¤/ l)
- Die Landwirtschaft profitiert durch Umsatzsteigerung, der Anbau in marktfernen Gebieten durch die höhere Transportwürdigkeit (auch Ost EU) wird interessant. Ausweitung des Rapsanbau hat positiven Einfluss auf andere Agrarmärkte, weil große Flächenanteile aus der Lebens- und Futtermittelproduktion herausgelöst werden.
- Lohnunternehmen erzielen einen Imagegewinn in der Öffentlichkeit und beim Kunden Landwirt. Außerdem sind Umsatzsteigerungen durch Rapslohndrusch auch auf Stillegungsflächen zu erwarten.
- Die Wertschöpfungskette „Energieerzeugung aus regenerativen Pflanzen“ schafft neue Arbeitsplätzen im ländlichen Raum
- regenerative Energieträger sind ökologisch wertvoll: die energetische Nutzung ist CO2- neutral, dezentrale Produktionsstätten für Rapsöl und Biodiesel erfordern weniger Logistik.

In der Informationsveranstaltung „Einsatz von Rapsöl in Dieselmotoren“ wurde vorrangig der Frage nachgegangen, ob biogene Treibstoffe auch von den technischen Anforderungen her betrachtet fossile Kraftstoffe ersetzen können?

Zunächst stellte der Ölmüller Engelking sein Unternehmenskonzept vor. Ausgehend von einem landwirtschaftlichen Betrieb wurde schon vor mehr als 10 Jahren mit dem Ölpressen begonnen. Herr Engelking wies darauf hin, dass Rapsöl zur Zeit noch keine lagerrechtlichen Auflagen erfüllen muss, dass aber bei der Lagerung selbst einige Vorgaben beachtet werden müssen. Insbesondere Kondenswasserbildung verursacht durch direkte Sonneneinstrahlung muss vermieden werden.

Im zweiten Vortrag ging es detailliert um Motorentechnik. Rapsöl erreicht erst bei einer Temperatur von 70°C die gleiche Viskosität wie Diesel bei 20°C. Damit Rapsöl auch bei niedrigen Außentemperaturen fließfähig bleibt, ist eine Vorwärmung des Kraftstoffs erforderlich.

Günther Hermann stellte Umrüstung von Dieselmotoren auf das Zweitankverfahren durch die Firma Rapstruck vor. Motor und Einspritzanlage bleiben unverändert, der Einbau eines zweiten Tanks mit den dazugehörenden Aggregaten verursacht beispielsweise bei einem Schlepper Kosten in Höhe von 2.500 ¤.

Ergänzend berichtete Lohnunternehmer Ralf Drönner aus Dellfeld von seinen mehrjährigen Erfahrungen mit dem Einsatz von Rapsöl in Schleppern und Erntemaschinen. Herr Drönner hat mittlerweile mehr als 125.000 ltr. Rapsöl im Zweitankverfahren verbraucht. Anfängliche Schwierigkeiten konnten durch den Einsatz hochwertigeren, sprich reineren Kraftstoff beseitigt werden.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass auch in der Fragestellung „Umrüsten auf Rapsöl – ja oder nein?“ nicht nur technische oder marktwirtschaftliche Probleme beachtet werden müssen, auch die Politik spielt eine entscheidende Rolle. Steht beispielsweise Agrardiesel wieder allen landwirtschaftlichen Unternehmen, einschließlich der Lohnbetriebe zur Verfügung, so ist der betriebswirtschaftliche Vorteil sofort verschwunden.


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