Sachstand + Ausblick
23 Projektpartner an einem Tisch
iGreen-Vollversammlung in Kaiserslautern
Am 1. und 2. Februar 2012 wurde in Kaiserslautern die diesjährige iGreen-Vollversammlung abgehalten. Mit großem Interesse verfolgten 66 Teilnehmer von allen 23 Projektpartnern die vorgestellten Ergebnisse und die gesteckten Ziele für die verbleibende Projektlaufzeit.
Die Agenda der zweitägigen Veranstaltung sah vor, dass sich der erste Tag den bisherigen Projektergebnissen widmet und am zweiten Tag zukünftige Themen diskutiert werden. Wichtigstes Thema am zweiten Tag war für viele Projektpartner zu erfahren, ob das Projekt, das am 31. Dezember dieses Jahres endet, fortgeführt wird.
Vorstellung der Projektergebnisse am ersten Tag
Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch
Prof. Dr. Andreas Dengel und die Einleitung von
Dr. Ansgar Bernardi, beide Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), stellten die Informatikpartner des Projekts ihre Entwicklungen vor.
Prof. Dr. Hans-Christian Rodrian, Kompetenzzentrum für innovative Informationssysteme (IIS) zusammen mit
Dr. Carsten Hillenbrand, TU Kaiserslautern, präsentierten eine Erweiterung des VENICE, womit iGreen-Systeme untereinander auch über mobile Endgeräte Nachrichten verschicken können.
Dr. Gunnar Grimnes (DFKI) hat eine Testinstallation der OnlineBox als universellen Datenspeicher am DFKI durchgeführt. Eine Anwendung mit der OnlineBox wurde dann von
Daniel Herzig vom Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) vorgestellt. Er demonstrierte die semantischen Suchfunktionen für die OnlineBox in einer Webinterface-Demo anhand verschiedener Einsatzszenarien. Dieses grundsätzlich nützliche Tool zum Identifizieren von verschiedenen Bereichen (angelegte Aufträge, Kraftstoffverbrauch etc.) erweist sich allerdings als zu komplex, als das es dem typischen Endanwender einfach zu erklären ist.
„Maximalformular“ als Freeware für Lohnunternehmer
Die schon in der iGreen Roadshow eingesetzten Tools, wie das GeoFormular kann jetzt nach den Ausführungen von Prof. Rodrian aus einem „Maximalformular“ erstellt werden. Dieses Maximalformular enthält für viele Arbeiten, wie z.B. Stroh pressen, alle erdenklichen Eingaben wie Ballengröße, Steine auf dem Schlag u. v. m. Das Ergebnis des GeoFormular-Editors ist ein Dokument, welches jeder Lohnunternehmer als GeoFormular-App herunterladen und verwenden kann. Falls doch noch weitere Eingaben benötigt werden, muss jedoch das IIS kontaktiert werden.
Im Rahmen der Zuarbeit zu den Entscheidungsassistenten des DLR-RNH berichtete
Britta vom Lehn, Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz (LGB), über die Ergebnisse innerhalb der AG Geo- und Sensordaten, wo sich auch die LU Service engagiert. Eine externe Firma (geo-konzept, Adelschlag) wurde beauftragt, Module für die Bereinigung von Maschinen- und Sensordaten zur Erstellung von Ertragskarten, für die Standardisierung von Ertragskarten sowie für den Abgleich mit Bodenkarten zu entwickeln.
Dr. Manfred Röhrig, ISIP, stellte den Stand des Biomasseplaners vor, der standortspezifische Ertragsprognosen errechnet. Auf dieser Grundlage werden Beratungsinformationen für eine ertragsorientierte N-Düngung mit und ohne Sensor bereitstellt. Dass diese Ertragsprognosen für die Praxis gut geeignet sind, liegt an der hohen durchschnittlichen Genauigkeit von ca. 80%.
Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen
Aus der AG Machine Connector kündigte
Christian Bartolein, John Deere, ein Plugfest mit anschließender Pressekonferenz für den 13. März an. Teilnehmen werden u. a. die Projektpartner Claas, John Deere und Krone.
Den Berichten aus den weiteren Arbeitsgruppen konnte Folgendes entnommen werden:
AG 1: Pflanzenproduktion:
Dr. Johannes Sonnen, Grimme, schlug basierend auf den Ergebnissen der AG, eine Reihe von Verbesserungen für die OnlineBox vor.
AG 2: Kommunikationsbasis für gemeinsame Planung:
Jan Horstmann, Krone, stellte die Aktivitäten und Feldeinsätze aus 2011 vor. Hier u. a. auch den herstellerübergreifenden Feldtest der LU Service bei der BGA Ökoenergie Recke.
AG 3: Pflanzenschutz:
Martin Scheiber, ZEPP, thematisierte den Stand des Applikationsassistenten Pflanzenschutz, wie Integration von Wetterdaten, Abstandsregelungen, Bodendaten u. v .m.
AG 4: Wartung & Service:
Thilo Steckel, CLAAS, ging insbesondere auf den Maschinenfinder, navigierbare Servicedokumente, den Schlagfinder, die Waage-APP sowie die Rolle des Machine Connectors ein.
LU Service berichtet über die iGreen Roadshow
Unter dem Tagesordnungspunkt Dissemination informierte
Dr. Klaus Schernewsky, LU Service, umfassend über die erreichten Ziele und die neuen Vorhaben der iGreen-Roadshow für 2012. Beispielhaft wurden den Zuhörern einige Verbesserungsvorschläge für die iGreen-Tools vorgestellt, die aus der interaktiven Demonstration von iGreen bei den Praktikern entstanden sind. Es scheint, dass auch die zu Anfang sehr kritischen Projektpartner nun den Nutzen der Roadshow für iGreen erkannt haben. Schernewsky bedankte sich bei den Herstellern, die die benötigte Technik zur Verfügung gestellt haben und ausdrücklich bei Jan Horstmann, Krone, für die umfassende Unterstützung der iGreen Roadshow.
Veranstaltungen und Abschlussreview in 2012
Wichtigste Veranstaltungen aus Sicht des DFKI und der Projektpartner sind die DLG-Feldtage im Juni und die DeLuTa, wo iGreen jeweils in großem Umfang gezeigt werden soll. Bei den DLG-Feldtagen wird sich die LU Service mit der Bereitstellung des Roadshow-Schlüters beteiligen. Das geplante iGreen-Abschlussreview soll mit einer anderen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung gekoppelt werden. Hier könnte z. B. die DeLuTa 2012 in Frage kommen.
Zweiter Tag der iGreen-Vollversammlung: Wünsche der Projektpartner
Der zweite Tag der Veranstaltung war durch Diskussionen zur Verwertung des bisher Erreichten sowie der Erörterung von Möglichkeiten einer Weiterführung des Projekts geprägt.
Wie nicht anders zu erwarten, differierten die Interessen der Projektpartner mehr oder weniger stark. Die LU Service hat aus Sicht der Lohnunternehmer fünf Punkte für unabdingbare Ziele für iGreen erklärt:
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Herstellerübergreifender Maschineneinsatz und Datenaustausch
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Dokumentation der geleisteten Arbeit, indem die relevanten Daten von der Maschine auf das FMIS im Büro des Lohnunternehmers und von dort ggf. mit Lieferschein und Rechnung zum Kunden übermittelt werden. Die „Fehlerquelle Mensch“ sollte nicht mehr soviel Papier bearbeiten.
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Geo-referenzierte Aufträge sparen Ressourcen/Kosten und schonen obendrein die Umwelt. Dieser Gedanke muss den Landwirten nahe gebracht werden und muss dazu führen, dass die Geo-Daten zu jedem Auftrag mitgeliefert werden.
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Integration von öffentlichem und privatem Wissen (Wetterbericht, Pflanzenschutzempfehlungen, Ertragserwartung, Bodenverhältnisse u. a. m.) für Auftragserstellung und Zusammenarbeit mit der Betriebsberatung des Kunden.
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Es ist dringend erforderlich, weiterführende, gemeinsame Entwicklungsaufgaben z.B. Applikationskarten für Pflanzenschutz und Düngung, zu lösen.
Die Vertreter des Softwarehauses Solutions direkt verweisen auf die Notwendigkeit des Aufbaus einer breit aufgestellten Supportstruktur für den Endanwender – wenn denn das Projekt weitergeführt werden soll.
Krone erwartet die Zusammenführung von derzeitig existierenden Firmen und deren Lösungen mit den iGreen-Möglichkeiten. Um hierfür keine Abhängigkeiten zu erzeugen, kann dies nicht durch Landtechnikhersteller organisiert werden. Auch Claas richtet das Hauptinteresse auf die langfristige Existenz der herstellerübergreifenden Infrastruktur – sei es als Plattform (mit Betreiber), sei es als Spezifikation.
John Deere dagegen ist der Auffassung, dass die herstellerübergreifende Lösung durch den ISOBUS-Standard bereits gegeben ist. Außerdem ist der weltgrößte Landtechnikhersteller der Auffassung, dass das Thema eine große Bandbreite auf internationaler Ebene hat, welche nicht in einem iGreen-System zu erledigen ist.
Wie geht es weiter?
Für ein etwaiges iGreen-Nachfolgeprojekt, um die noch offenen Baustellen abzuarbeiten, hätten sich viele Projektpartner konkrete Aussagen gewünscht. Dr. Bernardi hat hierzu festgestellt, dass eine Fortführung des Projektes nur zur finalen Entwicklung von marktreifen Produkten unter dem Deckmantel der Forschung wenig aussichtsreich ist. Um eine reelle Chance zur Weiterentwicklung des Themas zu erhalten, müssen konkrete Fragestellungen in einen Forschungsantrag gebracht werden.
Auf jeden Fall können wir feststellen, dass ein großer Erfolg des iGreen-Projektes darin besteht, dass alle Branchenvertreter, Lohnunternehmer, Landwirte, Landtechnik und Softwareentwickler von dem Projekt angeschoben wurden und dass letztlich alle davon profitieren werden. Und letzteres auch nach dem Projektende.
Dr. Schernewsky
Artikel aus LU aktuell 03/2012