Beruf & Bildung
02.02.2017

Im Gespräch mit dem Lohnunternehmen Harald & Markus Reiser

Am 28. Oktober lud das VdAW-Mitglied Markus Reiser Fachreferentin Amelie Bufler vom VdAW zum Interview aufs Feld ein. Die Idee dazu kam während eines Telefonats der beiden, bei dem es um den Raupenmähdrescher von Reisers ging. Da dieser Maschinentyp nicht alltäglich ist, war die Idee für einen Bericht schnell geboren.

Am vereinbarten Treffpunkt begrüßt der Senior, Harald Reiser, die Fachreferentin und beginnt sogleich mit der Montage des Schneidwerks. Insgesamt schon über 50 Jahre im Geschäft, hat Harald Reiser den Betrieb an den Junior Markus übergeben, sodass er noch aus Freude an der Arbeit auf der Maschine anzutreffen ist. Rasch auf den Beifahrersitz in der Kabine geklettert, geht die Maisernte schon los. Auffällig ist tatsächlich, wie ruhig die Maschine über das Feld fährt. Die Erde ist noch feucht und die Nebelschwaden verziehen sich nur langsam, dennoch sind die Fahrspuren kaum zu sehen.

VdAW: Herr Reiser, seit wann besitzen Sie den Raupenmähdrescher?

H. Reiser: Angefangen hat alles im Herbst 2010 mit einem Prototyp, der von der Firma Claas Württemberg entwickelt wurde. Da unser Auftragsgebiet recht groß ist, sind längere Fahrtwege bei uns Tagesgeschäft. Zusätzlich haben wir einige Flächen, die an Steilhängen liegen und damit die Thematik des Bodendrucks. Für dieses Einsatzspektrum haben wir eine passende Maschine gesucht.

VdAW: Und was unterscheidet diesen Raupenmähdrescher nun von regulären Mähdreschern?

H. Reiser: Da gibt es einige Unterschiede, die den Alltag erleichtern. Fangen wir bei der Transportbreite an. Da sind wir gerade einmal bei 3,20 m – also schlanker als die üblichen 3,30 m oder gar 3,50 m. Dann kommt hinzu, dass wir mit dieser Maschine straßentauglich sind und mit 40 km/h unterwegs sein können. An Hanglagen und bei Nässe haben wir sowohl eine bessere Traktion als auch eine bessere Gewichtsverteilung. Ganze 66% geringer ist der Bodendruck beim Raupenmähdrescher.

VdAW: Wie äußern sich diese technischen Unterschiede denn in der Praxis?

H. Reiser: Wir können bei feuchter und nasser Witterung fast ohne sichtbare Fahrspuren ernten. Die Stabilität der Maschine am Hang ist höher, wodurch die Maschine spurtreu ist und kein Erntegut zur Seite oder nach unten drückt. Dadurch ist wiederum ein geringerer Kraftaufwand und als Ergebnis ein geringerer Kraftstoffverbrauch möglich. Hinzu kommt, dass der Korntank vollständig befüllt werden kann und die Prozesskette durch weniger Entleerungen optimiert ist, was uns Zeit spart. Unterm Strich haben wir kürzere Anfahrtszeiten, mehr Flächenleistung und können schneller in neue Druschgebiete umsetzen.

VdAW: Das klingt ja verlockend. Merken die Auftraggeber, abgesehen von der Zeitersparnis, auch einen Unterschied auf dem Feld?

H. Reiser: Selbstverständlich. Den kann man sogar mit dem bloßen Auge erkennen. So wächst im Folgejahr in den Fahrspuren genauso viel wie auf der restlichen Fläche. Das beweist, dass das Maschinengewicht wesentlich schonender auf den Boden trifft als durch reguläre Reifen. Auf diese Tatsache wurden wir von unseren Auftraggebern aufmerksam gemacht.

VdAW: Wie sehen Sie die Entwicklung der Großmaschinen in der Landwirtschaft? Noch größer und noch stärker?

H. Reiser: Also für unsere kleinen Flächen, hier in Süddeutschland, ist das Maximum an Größe sicherlich erreicht. Nicht nur durch die kleinen Parzellen, sondern auch durch die beschränkte Breite unserer Feldwege. Mit dem Klappschneidwerk befinden wir uns schon bei einer Breite von 5,40 m, ausgeklappt bei 7,50 m. Mehr geht einfach nicht in unserer Region. Außerdem würden noch größere Maschinen bedeuten, dass man weniger Maschinen bräuchte, dafür schneller wäre, wodurch wir einen Teil unserer Flexibilität einbüßen müssten. So kommt der eine oder andere Kunde bereits heute an seine Grenzen, wenn es um die Abfuhrlogistik geht.

VdAW: Herr Reiser, was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

H. Reiser: Wir müssen die Auslastung der Maschinen und die Arbeitsverteilung optimiert bekommen. Dafür müssen die Auftraggeber wieder die Unternehmer aus der Region, die vor der Türe, schätzen lernen und von der Angebotsbewertung rein über den Preis wegkommen. Zusätzlich benötigen wir mehr Verständnis während der Hauptsaison, um frühzeitiger und flexibler in der Auftragsplanung zu werden. An einem typischen „Fair-Play“ zwischen Auftraggeber- und -nehmerseite müssen wir zukünftig arbeiten, sei es bei der Auftragsabwicklung oder bei Schäden und Pannen im Arbeitsalltag.

Technische Daten:
Claas Lexion 750 TT (Terra-Trac), Bandbreite 635 mm, dadurch eine Spurbreite unter 3,29 m, 40 km/h Fahrgeschwindigkeit, 16,8 Tonnen schwer.

Firmendaten:
Harald u. Markus Reiser – 1961 gegründet.
Bei Bedarf Saisonkräfte, keine Festangestellten.

Der Maschinenbestand wurde in den letzten Jahren von 5 Mähdreschern auf 2 Mähdrescher, 2 Traktoren, 1 Traktor mit Rückfahreinrichtung, 1 kleine Quaderballenpresse, 2 Mulcher und
1 Seilwinde umgestellt. Vorteil: „Dadurch können wir uns heute auf die wirklich wichtigen Kunden konzentrieren.“

Reisers Arbeitsschwerpunkte sind:
Getreide-, Raps- u. Mais-Drusch, Ballenpresse, Gartenbau, Garten- u. Kommunalpflege, Rodungen, Zaunbau und Winterdienst für Landwirte, Kommunen und private Kunden.

Besonderheit: Seit der Betriebsreduktion setzen Reisers auf Teamwork mit Kollegen! Es hat gedauert, bis der Gedankengang vom „Konkurrenten zum Kollegen und Kooperationspartner“ wurde, aber es hat sich gelohnt.

Ihr Motto:
„Geht nicht“ gibt es nicht!
Lieber weniger, dafür sauberer und ordentlich bezahlt, mit Kunden, die uns schätzen.

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