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14.10.2016

Wirtschaftsdüngung im Herbst 2016

Was ist gestattet?

Seit geraumer Zeit arbeiten die zuständigen Behörden an der Novellierung der Düngeverordnung (DüngeVO) und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Voraussetzung für den Erlass einer neuen Düngeverordnung sind entsprechend vorzunehmende Änderungen im Düngegesetz.

Die endgültige Verabschiedung des Gesetzesentwurfes wurde aber noch nicht vollzogen. Nach Insiderinformationen ist mit Inkrafttreten der neue DüngeVO frühestens im kommenden Jahr zu rechnen. Offensichtlich haben die komplizierte Materie und gegensätzliche politische Positionen zu den Verzögerungen geführt.Die Novellierung der Düngeverordnung wird auch in der Praxis intensiv diskutiert, so dass manch Landwirt und Lohnunternehmer die aktuelle Rechtslage „aus den Augen verloren“ hat. Deshalb hier noch einmal eine Übersicht über die relevanten Inhalte. Weitere Informationen stehen auf den Websites der Landwirtschaftskammern, Ministerien und anderen Beratungsinstitutionen zur Verfügung.  

Aktuell gültige Regelungen
Deutschlandweit unterliegt die Wirtschaftsdüngung folgender rechtlicher Beschränkungen:
  • Sperrfristregelung: Ackerland: 1. November – 31. Januar / Grünland: 15. November – 31. Januar. Der Landwirt kann bei der zuständigen Stelle eine Vorverlegung der Sperrfrist auf Ackerland vom 15.10. – 15.01. bzw. auf Grünland vom 01.11. – 15.01.beantragen.
  • Ausbringung flüssiger Wirtschaftsdünger nur auf aufnahmefähige Böden (nicht tiefgefroren, nicht wassergesättigt, nicht schneebedeckt)
  • Einhalten einer Mengenbeschränkung für Stickstoff aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft auf Ackerland und Grünland in Höhe von 170 kg/ha. Stickstoff aus Gärresten unterliegt dieser Grenze (noch) nicht.
  • Einarbeitungspflicht von flüssigen Wirtschaftsdüngern auf unbestelltem Ackerland bin-nen 4 Stunden. Diese Regel gilt nicht für Mist, Kompost und trockenen Gärrest.
  • Abstandsauflagen von Gewässern (mindestens 1 m bei Schleppschläuchen, o. ä. bodennahen Systemen – sonst 3 m)
Herbstdüngung
Die Anwendung von Gülle, Jauche und Geflügelkot zur Hauptfrucht oder Zwischenfrucht im Herbst ist nur noch in Kulturen mit Bedarf möglich.

Laut DüngeVO §4 Abs. 6 (Erlass Herbstdüngung) ist die N-Menge begrenzt durch
  1. den Nährstoffbedarf der Kultur (bis zum Winter)
  2. maximal jedoch 80 kg N / ha (davon max. 40 kg / ha NH4)

Entsprechend ist die Düngung zur Deckung des Stickstoffbedarfs erlaubt
  • zu Raps, Feldgras, Zwischenfrüchten,
  • zur Förderung der Strohrotte mit nachfolgender Winterfrucht (z. B. Wintergerste nach Winterweizen) und
  • auf Grünland zur Förderung der Winterhärte.
Demgegenüber ist die Düngung verboten
  • nach Mais, Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben, Gemüse und Leguminosen (kein Nährstoffbedarf)
  • Förderung der Strohrotte mit nachfolgender Sommerfrucht (z. B. Maisanbau im Folgejahr ohne Zwischenfrucht nach Wintergerste)
Wenn beispielsweise eine „normale“ Rindergülle mit 4 kg N / m³ zur Verfügung steht, begrenzt bei der aktuellen Regelung der tatsächliche Nährstoffbedarf der Kulturen die Düngung von Hauptfrucht bzw. Grünland auf etwa  10 – 15 m³/ha. Eine Zwischenfrucht kann aber bis zu 20 m³/ha (absolute Grenze von 80 kg/ha N beanspruchen.

Bei Nichtbeachtung der Grenzen drohen Mittelkürzungen im Bereich der Direktzahlungen (CC-Relevanz) und Bußgelder in OWi-Verfahren!

Zukünftige Regelungen
Lohnunternehmen müssen zukünftig beachten, dass die neuen Gesetze die N- und P-Düngung in Menge und Zeit einschränken (80 % im Frühjahr und weniger als 20 % im Herbst), strenge Regeln für Einarbeitung und Abstandsauflagen beinhalten werden und ausgeprägte Dokumentationsverpflichtungen zu erfüllen sind. Bereits heute steht in einem Änderungsvorschlag zum Düngegesetz der Hinweis, dass zukünftig zur Qualitätssicherung praxisgerechte Zertifikate in der Wirtschaftsdüngerlogistik zur Pflicht werden können. In einem vom BLU begleiteten Forschungsprojekt werden die Grundlagen für die Zertifizierung von Dienstleistern erarbeitet. Eine Vorgabe, die den professionellen Lohnunternehmen zu Gute kommen wird.

Dr. Martin Wesenberg

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