Beruf & Bildung
08.07.2016

Pflanzenschutz

Anwenderschutz durch neue Fahrerkabinen

Pflanzenschutzmittel sind Gefahrstoffe und sind daher mit besonderer Sorgfalt zu handhaben. Worauf aus Sicht des Anwenderschutzes zu achten ist, erläutert nachfolgend Sebastian Dittmar von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

Vor dem Umgang mit einem Pflanzenschutzmittel (PSM) sollten alle Arbeiten sowie der nötige Schutz des Menschen durchdacht und geplant werden. Die Gebrauchsanleitung und das Sicherheitsdatenblatt des eingesetzten Mittels geben Auskunft über Risiken und die darauf abgestimmte Persönliche Schutzausrüstung (PSA), um Gefahren zu reduzieren. Hinweise für den sicheren Umgang in der Gebrauchsanleitung können wie folgt lauten:
  • Kann vermutlich Krebs erzeugen (H351)
  • Kann das Kind im Mutterleib schädigen, kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen (H360Df)
  • Verursacht schwere Augenreizung (H319)
  • Verursacht Hautreizungen (H315)
  • Gesundheitsschädlich beim Einatmen (H332)
  • Gesundheitsschädlich beim Verschlucken (H302)
  • Kann allergische Hautreaktionen verursachen (H317)
  • Zur Vermeidung von Risiken für Mensch und Umwelt die Gebrauchsanleitung einhalten (EUH401)

Für Lohnunternehmer und deren Angestellte ist die Dienstleistung Pflanzenschutz ein umfangreiches Geschäftsfeld. Daher ist es besonders wichtig, auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz zu achten. Erfahrungen der SVLFG zeigen, dass die Akzeptanz in einer Fahrerkabine zusätzlich Persönliche Schutzausrüstung (PSA) zu tragen äußerst, gering ist. Daher achten Sie beim Neukauf auf die Eignung der Kabine für den Pflanzenschutz, so dass sie auf das Tragen von Schutzkleidung verzichten können.

Eine Standardkabine des Traktors trägt erfahrungsgemäß, neben zahlreichen weiteren Vorteilen, nur zur Reduktion der Exposition durch Pflanzenschutzmittel (PSM) bei. Dennoch können PSM in geringen Konzentrationen in die Kabine eindringen. Das geschieht meist über die Lüftungsanlage, Fenster oder Türen sowie durch den kontaminierten Anwender selbst. Daher muss sich der Fahrer gegebenenfalls beim Ausbringen von PSM und Standardkabine mit zusätzlicher persönlicher Schutzausrüstung (PSA) vor den Gefahrstoffen schützen. Eine geeignete PSA könnte zum Beispiel Schutzhandschuhe, Schutzanzug sowie Atemschutz umfassen.

Neu sind Pflanzenschutzkabinen nach der Sicherheitsnorm EN 15695, die in der Kategorie 3 oder 4 das zusätzliche Tragen von PSA in der Kabine überflüssig machen.

In der Norm DIN EN 15695 „Landwirtschaftliche Traktoren und selbsfahrende Pflanzenschutzgeräte - Schutz der Bedienungsperson (Fahrer) vor gefährlichen Substanzen“ werden Kabinen in vier Kategorien eingeteilt:
  • Kategorie 1: Kabine, die keinen Schutz vor Staub und Pflanzenschutzmitteln (PSM) bietet
  • Kategorie 2: Kabine, die nur vor Staub schützt
  • Kategorie 3: Kabine, die vor Staub und flüssigen PSM schützt
  • Kategorie 4: Kabine, die vor Staub, flüssigen PSM und deren Dämpfen schützt.
Welche Kategorie Ihr Traktor bzw. Selbstfahrer derzeit erfüllt, können Sie in der Betriebsanleitung bzw. an einer Kennzeichnung in der Kabine ablesen.

   


Vor Beginn der Arbeit sollte man die Sicherheitshinweise im Sicherheitsdatenblatt, die zusätzlichen Produktinformationen und die Hinweise auf dem Etikett sorgfältig durchlesen sowie diese befolgen. Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, sind folgende Punkte zu beachten:
  • Beim Neukauf eines Traktors oder eines Selbstfahrers den Landmaschinenhändler nach der Schutzkategorie 3 und 4 gemäß EN 15695 fragen.
  • Vorab beim Hersteller des Fahrzeugs über zusätzliche Schutzmöglichkeiten für die Kabine informieren (zum Beispiel Aktivkohlefilter)
  • Türen und Fenster vor Beginn der Arbeiten schließen
  • Ggf. während des Ausbringens zusätzliche PSA in der Kabine tragen
  • Keine kontaminierte PSA oder Gegenstände wie Messbecher in der Kabine lagern
  • Kabinenfilter regelmäßig, mindestens zwei mal pro Saison wechseln
  • Regelmäßig die Bedienelemente in der Kabine reinigen
  • Dichtungen von Türen und Fenstern prüfen. Die Pflege mit einem entsprechenden Gum-mipflegestift hilft, die Dichtungen zu erhalten.

Bitte beachten Sie:
  • Nur Kabinen der Kategorien 3 und 4 können das zusätzliche Tragen von PSA in der Kabine ersetzen. Für das Ansetzen, Einspülen sowie bei Reparatur- und Wartungsarbeiten bleibt der Einsatz von PSA aber weiterhin unerlässlich.
SVLFG

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