Beruf & Bildung
18.04.2016

Michael Wagner: Australien erleben (2)

Praktikumsbericht aus Down Under

So wie der Oktober aufgehört hat, begann der November. Gleich zu Anfang fuhren wir zum letzten Kunden in der Region nordwestlich von Melbourne. Diese Region ist sehr bergig und vom Silo hatten wir eine wunderschöne Aussicht.
Da es viel regnete, mussten wir zwei Tage pausieren. Wir nutzten die Freizeit und erkundeten die Great Ocean Road. Das ist eine 243 km lange Straße, die entlang der australischen Südküste zwischen Torquay und Allansford verläuft.
Als endlich die Sonne wieder schien, konnten wir weitermachen. Leider hatte der Silohaufen sehr unter dem Wetter gelitten und war in einem schlechten Zustand. Der Haufen war inzwischen braun-gelb und schimmelig und auch das gehäckselte Gras wurde immer älter.  
   
Nachdem wir die Arbeiten dann trotzdem beendet hatten, fuhren wir zur Werkstatt Lewer´s Farm Service, um die Maschinen zu waschen und zu warten. An einigen Trucks wurden endlich überfällige Ölwechsel und beschädigte Reifen gewechselt. Da wir am nächsten Morgen schon sehr früh nach Queensland starten wollten, verluden wir noch am Abend die Häcksler, Traktoren, Schwader und Mähwerke auf Tieflader.  

1.800 km in 2 Tagen
Am 09.11.2015 starteten wir dann mit insgesamt 6 Maschinen im Konvoi auf unsere 2-Tagestour nach Toowoomba (Queensland) in den Nordosten von Australien, rund 110 km westlich von Brisbane. Am ersten Tag schafften wir etwas mehr als die Hälfte der Strecke, immerhin fast 1000 km. In einem Hotel konnten wir uns über Nacht ausruhen, um die letzten 800 km zu fahren. Gegen 15:00 Uhr am zweiten Tag erreichten wir endlich unser Ziel und fingen gleich noch mit dem Entladen an.

Australische Betriebswerkstatt
In Toowoomba war ich wieder auf dem Betrieb im Einsatz, auf dem ich mein Australienabenteuer begonnen hatte, diesmal aber in der Werkstatt. Das Wetter und die Landschaft waren nun völlig anders. Die Temperaturen erreichten 30 °C und mehr und es regnete so viel, dass die Flächen nicht mehr bewässert werden mussten.

Wir reparierten die Maschinen für die kommende Mais- und Sorghumernte im Februar. Aber wir haben nicht nur gearbeitet, ich hatte auch Gelegenheit Land und Leute kennenzulernen.  Beeindruckend war der Besuch beim Claas Händler, als wir Ersatzteile abholten. Dort standen zwar die gleichen Maschinen wie in Deutschland, aber Schneidwerke mit 14, 15 oder gar 16 Metern sind schon etwas Besonderes.

Die Arbeit in der Werkstatt war zu Beginn eine Umstellung für mich. Ersatzteile waren oft nicht auf Lager und so mussten viele Verschleißteile aufgearbeitet, verstärkt oder in der Schmiede selbst angefertigt werden. Spezielle Getriebe und Lager mussten sogar aus Europa geliefert werden, was ungefähr drei Wochen dauerte. Aber nicht nur beim Warten auf die Ersatzteile wurde die Geduld auf die Probe gestellt. Die Australier verwendeten bei Reparaturen immer die Schrauben, die gerade zur Hand waren. Deshalb hatte man nicht nur metrische Größen, sondern auch Inch und musste ständig verschiedene Schlüsselweiten bereit liegen haben musste.

Australisches BBQ und Surfers Paradise
Am Freitag nach der Arbeit wurde ich zu einer Familienfeier mit Barbecue eingeladen. Beim gemeinsamen Essen konnte ich mich super unterhalten, denn nach mittlerweile 6 Wochen in Australien klappt das mit der Sprache schon echt gut. Den Samstag hatte ich frei und ich konnte ich ganz früh starten, um an die 250 km entfernten Sandstrände zu fahren. Der Strand mit dem Namen Surfers Paradise, macht diesem alle Ehre: Kilometerlange Sandstrände und riesige Wellen. Wirklich toll war, dass ich mir immer ein Auto vom Betrieb leihen konnte, um die Gegend alleine zu erkunden.

Neuer Häcksel-Auftrag
Nach dem schönen Wochenende ging es Montag wieder los mit Arbeit: Betriebsgelände aufräumen, Flächen mulchen und Unkrautbekämpfung mit einem großen Rasenmähertraktor an Wegrändern und auf Abstellflächen. Umso spannender wurde es, als wir Mittwoch, den 24.11.2015 einen Auftrag bekamen, mehr als 40 ha GPS zu häckseln und einzusilieren. Sofort wurden die LKW startklar gemacht, Häcksler und Radlader verladen und ich durfte mit dem Serivce-Truck das Schneidwerk ziehen. Nach 450 langen Kilometern kamen wir abends beim Kunden an. Wir waren „mitten im Nirgendswo“ gelandet und mussten deshalb, nach dem Abladen der Fahrzeuge, auf der Farm übernachten.

Am nächsten Morgen wollten wir mit dem Häckseln anfangen, doch leider mussten wir erst das Silo saubermachen und den Rest an Silage abtransportieren. Dann ging es aber schnell. Es war nur eine Fläche mit wenig Ertrag, wodurch wir gut vorankamen. Meine Aufgabe war es, im Silo das Material zu verdichten. Aber aufgrund der Trockenheit hatte ich damit einige  Schwierigkeiten, zusätzlich verstopfte der Kühler ständig. Zum Glück hat es abends etwas angezogen und die Probleme wurden mit jeder Fuhre weniger. Am nächsten Tag haben wir wieder alles Verladen und sind die lange Strecke wieder zurück nach Hause gefahren. Erschöpft, aber zufrieden, ging es ins Bett, wieder eine spannende Erfahrung mehr.

Michael Wagner

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Diana Husse


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