Beruf & Bildung
13.06.2016

Fachausschuss Datenmanagement – ein erstes Fazit

Workshops mit den Firmen arvato Systems – Anbieter des farmpilot-Portals – sowie CLAAS waren die ersten Veranstaltungen des Fachausschusses Datenmanagement der LU Agrarelektronik GmbH im Bundesverband Lohnunternehmen

Landwirte und Lohnunternehmer sammeln und liefern Daten, manchmal sogar unbewusst und teilweise noch in „Informationsinseln“. Die voranschreitende Entwicklung in der Informations- und Kommunikationstechnik hat tiefgreifende Impulse auf die Landwirtschaft sowie die Landtechnik. Gesamtgesehen steuern wir in der Branche auf eine Vernetzung landtechnischer Komponenten zu. Damit sich für den einzelnen Nutzer daraus auch ein ableitbarer Vorteil ergibt, sollte weiterhin der herstellerübergreifende und barrierefreie Datenaustausch gefördert werden. In diesem Bereich des Smart Farming ergeben sich somit noch eine Vielzahl offener Fragen, von technischer Natur, bis hin zu Datensicherheit und Datenschutz.

So ist der Ansatz der Workshops ein neutrales Forum zu bieten, in dem man sich zwischen Anwendern und Anbietern Smarter - Produkte offen austauschen kann. In der für die Teilnehmer kostenlosen Veranstaltungsreihe soll so die Auseinandersetzung mit diesem in Zukunft immer wichtiger werden Thema gefördert werden. Vor allem die Wünsche und Anregungen potentiellen Nutzer sollen Berücksichtigung finden, aber auch Vorbehalte und kritische Fragen werden diskutiert.

Das Konzept deckt sich mit dem Grundgedanken der LU Agrarelektronik. „Wir wollen Aufklärungsarbeit im Bereich Elektronik und Software leisten und als Bindeglied zwischen Anwender und Hersteller auftreten“, beschreibt René Janotte, GF der LU Agrarelektronik GmbH. Durch das aktive Einbringen der Teilnehmer und die Auseinandersetzung mit dem Thema konnten in den bisher stattgefundenen Veranstaltungen schon viele betriebsindividuelle Anforderungen formuliert werden und als konstruktives Feedback an die jeweiligen Anbieter geleitet werden.

In einem Abschlussreview sollen die Optimierungen aus dem gesammelten Feedback der einzelnen Workshops dem interessierten Publikum vorgestellt werden.

Workshop „Datenmanagement in der Landwirtschaft“ Teil I farmpilot – arvato Systems – und Teil II CLAAS

Welche Resonanz ziehen Sie aus den ersten beiden Workshop mit farmpilot und CLAAS?
Janotte: Die Teilnehmer sind sehr interessiert und wissen die praxisnahe Vorstellung des Themas zu schätzen. Jeder hatte die Möglichkeit die vorgestellten Lösungen, z.B. bei arvato durch ausgeteilte Tablets selbst zu erfahren, damit ist eine tiefere Auseinandersetzung möglich. Was zu spüren war, ist das die Teilnehmer meist zum Ende hin ihre eigenen, betriebsindividuellen Anforderungen formulieren können. Es bedarf etwas Zeit in der Masse der Möglichkeiten und von dem was sie vorgestellt bekamen, richtig filtern können, was für jeden einzelnen wichtig ist. Auch die gute Stimmung innerhalb der Teilnehmer viel auf, die sich z.B. auch durch die Abwechslung zwischen Theorie, Demonstration und Feldeinsatz bei CLAAS ergab. Wir haben z.B. gelernt, dass nicht nur eine standardisierte Schnittstelle und hinterlegte Algorithmen für den Einsatz des CropSensors nötig sind, sondern für eine intelligente N-Düngung auch die passende Einordnung des Entwicklungsstadiums des Weizens entscheiden ist. Theorie und Praxis!
Husse: Zukunftsmusik ist, dass mehrere Workshops stattfinden sollen und sich daraus dann ein Fachausschuss bildet.

Wie viel Teilnehmer werden zukünftig im Fachausschuss mitarbeiten?
Janotte: Die Teilnehmerzahl ist nicht relevant, es geht dabei darum, dass wir das Feedback, welches wir bekommen und über die Workshops sammeln, analysieren, aufbereiten und an den jeweiligen Hersteller, bzw. Softwareanbieter übermitteln, so dass dieser in der Lage ist, seine Hausaufgaben zu machen und die erarbeiteten Anforderungen bei sich einzupflegen und dann in einem Abschlussreview zu präsentieren. Innerhalb dieses Abschlussreviews wird geprüft ob die Anforderungen aus dem Workshop angekommen sind, bzw. was die Firmen umgesetzt haben und ob so das Produkt durch die umgesetzten Features praxisadaptierter ist.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte im Datenmanagement?
Janotte: Die Schwerpunkte sind, dass die einzelnen Informationsinseln miteinander zu vernetzt.  Es gibt mittlerweile viele Anbieter und sehr viele Lösungen. Telemetrie Systeme, Online – Ackerschlagkarteien, Sensoren in der Landwirtschaft, etc., die mittlerweile Daten sammeln, diese Informationen fließen leider zum größeren Teil noch auf einzelne Informationsinseln. So besteht das Problem, dass die Vernetzung die wir anstreben um eine klare Rechtfertigung für die Mehrkosten und den Aufwand beim Einsatz einer digitalen Lösung haben, noch nicht greifbar ist. Zum Beispiel: Ich möchte eine Rechnung schreiben aus einem Auftrag, dann brauche ich diese rechnungsrelevanten Daten zur richtigen Zeit im richtigen Format abrufbar. Und genau daran müssen wir arbeiten. Genau hier liegt der Anspruch, dass wir einen herstellerübergreifenden, barrierefreien Datenaustausch erreichen.

Wie stehen die Teilnehmer dem Thema gegenüber?
Janotte: Die Anforderungen der Anwender sind in dem Bereich absolut klar. Barrierefreier Datenaustausch und fairer Umgang mit den gesammelten Daten. Die Quintessenz besteht darin, dass man wirklich offen legt, wo wird was gespeichert, wie kann ich das in ein anderes Format übertragen. Was sich bereits aus dem ersten Workshop herausstellt, ist dass die Teilnehmer eine klare Vorstellung haben. Sie möchten ein Produkt kaufen, mit dem Feature sich dieses individuell in den Möglichkeiten und Funktionen zusammenstellen zu können, so dass ein betriebsadaptiertes Datenmanagementpaket entsteht, welches die gegebenen Anforderungen perfekt erfüllt.

Welche Fragen wurden häufig gestellt?
Janotte: Viele Fragen drehten sich zum Ende der Workshops um die Datenanalyse und die möglichen Auswertungsschritte. Gerade im Kontext farmpilot ist die Möglichkeit einer detaillierten Faktura Lösung diskutiert worden. Aber auch das Thema der Datenspeicherung wurde deutlich beleuchtet. So ist arvato in der Lage auf Kundenwunsch die Daten der Kunden komplett zu löschen. Aufgrund der Nutzung konzerninterne Rechenzentren ist dies möglich. Bei CLAAS bezogen sie die Fragen häufig konkret auf die gezeigten Abläufe. So wurde die Rolle der Daten in der Landwirtschaft herausgearbeitet und auch was man aktuell alles mit Telemetriedaten machen kann um daraus einen echten Vorteil und eine Dokumentationsgrundlage ableiten zu können. Neben dem Einsatz mit dem CropSensor in der 3. Gabe im Weizen, wurde die EASY On Board App im Einsatz gezeigt. Neben einem CLAAS Cargos Kombiwagen steuerten wir erfolgreich einen Fliegl Abschiebewagen mit dem mobilen Tablet ISOBUS - VT.

Welches Anforderungsprofil kommt auf die Hersteller zu?
Janotte: Auch dies wurde schon im ersten Workshop ziemlich klar: Man wünscht sich ein Produkt, was völlig unabhängig der Farbe, der Marke nach, Daten sammelt, die betriebsindividuell benötigt werden und zwar auch genau auch nur in diesem Umfang. Nicht zu viel und nicht zu wenig. So, wie der Kunde sich das Paket zusammenstellt, so müssen die Daten nachher fließen und da ist es egal ob das im Vorfeld mit Telematics oder anderen Plattformen passiert.

Wo sehen sie die Thematik Datenmanagement in zwei Jahren?
Janotte: Ich hoffe, viel weiter und weg von diesem inselbehafteten Denken zu sein. Wir müssen hin zu einer Vernetzung, die den Ressourceneinsatz effizienter gestalten kann, eben genau aufgrund des Einsatzes von einem betriebsadaptierten Datenmanagement. Dazu müssen Lösungen her, niemand hat in diesem Bereich mehr Zeit zu verschenken!
Dabei muss man aber mittlerweile schon beachten, dass viele Im- und Exportfunktionen, z.B. eben auch in CLAAS Telematics bestehen. Auch die Intelligenz und damit die intuitive Nutzbarkeit der eingesetzten Lösungen schreiten immer weiter voran. So werden Auftragsdaten in eine zusammenhängende Dokumentation geschrieben, auch wenn sie an verschiedenen Tagen innerhalb einer Fläche passieren. Also es lohnt sich einen Blick auf diese Lösungen zu werfen, denn viele Funktionen gibt es inzwischen bei genauerem hinsehen!

Wie geht es weiter mit den Workshops? Termine, weitere Planungen? Wie bildet sich daraus der Fachausschuss?
Janotte: Der nächste Workshop findet am 05.07.2016 mit der Firma m2Xpert statt. Da werden wir uns das kostenlose Portal „Farmtune“ genauer ansehen. Welche Daten werden damit auf dem Acker erhoben, wie werden diese weiterverarbeitet und wie lassen sie sich mit weiteren Grunddaten verschneiden um z.B. eine saubere Dokumentation zu erhalten. Auch die Hardware die von dieser Firma zum maschineneunabhängigen Loggen von Daten angeboten wird, werden wir uns ansehen.

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René Janotte, Geschäftsführer der LU Agrarelektronik GmbH René Janotte, Geschäftsführer der LU Agrarelektronik GmbH