Beruf & Bildung
01.11.2016

Datenmanagement in der Landwirtschaft

Neben den klassischen landwirtschaftlichen Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital gewinnt der Faktor Information in der Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Betriebliche Daten werden mittlerweile an einer Vielzahl von Stellen – z. B. durch Sensoren oder durch Anbieter im Internet –  gesammelt und bereitgestellt. Dabei handelt es sich teilweise noch um Informationsinseln, die bislang nur mit hohem Aufwand oder mit geringer Aussagekraft zur Ableitung von Handlungsempfehlungen verknüpft werden können.

Von diesen Entwicklungen sind tiefgreifende Impulse für Landwirtschaft und Landtechnik zu erwar-ten. Vor allem eine zunehmende Vernetzung technischer
Produktionsprozesse in lohn- und landwirtschaftlichen Betrieben, auf dem Feld und im Stall und über die gesamte Lebensmittelkette hinaus, zeichnet sich ab.

Wichtig ist, dass sich Lohnunternehmer, Landwirte, Händler und auch Hersteller mit diesem Themenkomplex in einem neutralen Forum auseinandersetzen.  Deshalb startete in der ersten Jahreshälfte die Veranstaltungsreihe „Datenmanagement in der Landwirtschaft“ der Agrarelektronik GmbH mit mehreren Firmen und Anbietern intelligenter Technik.  Im Rahmen von Workshops konnten Anbieter und Hersteller ihre Produkte und Kompetenzen zeigen und den jeweilig möglichen Datenkreislauf vorstellen. Passende  Anwendungsszenarien wurden anschließend gemeinsam mit den Teilnehmern diskutiert.  

In Zusammenhang mit Datenmanagement stehen grundlegende Begriffe wie Big Data, Smart Farming oder  Landwirtschaft 4.0.

Der Begriff Big Data umfasst auch über den landwirtschaftlichen Kontext hinaus, das Sammeln, Aggregieren und Auswerten (z.B. Erstellen von Prognosen) aller, für eine angepasste Entscheidung, relevanter Daten. Big Data ist in der Endausbaustufe eine Datenfusion, die unstrukturierte, große Datenmenge teilweise mit Hilfe künstlicher Intelligenz so verarbeitetet, dass ein Sinn, z.B. eine pflanzenbauliche Strategie oder eine automatisierte Handlungsempfehlung daraus entsteht. Nicht unterschätzt werden sollte dabei die mögliche künftige Aussagekraft der Daten. Mithilfe der sich weiterentwickelnden Analyse- und Auswertungsverfahren dieser großen Datenmengen, könnten zukünftig aus vorhandenen Daten neue Informationen gewonnen werden, die mit aktueller Technologie aus den ursprünglichen Rohdaten noch nicht ersichtlich sind.

Smart Farming beschreibt die Digitalisierung landtechnischer Prozesse. Mit moderner Landtechnik und cloudbasierter Software Echtzeit-Informationen können Position und Tätigkeit, Betriebszustände und detaillierte standortspezifische Daten erhoben werden. Werden diese vernetzt, lassen sich z.B. betriebliche Abläufe effizienter erledigen und der Ressourceneinsatz verbessern. Im Ergebnis ließe sich eine bessere Planung und Steuerung sämtlicher Prozessketten vornehmen. Offen sind ein Vielzahl von  Fragen von der technischen Umsetzung bis hin zu Datensicherheit und Datenschutz.

Landwirtschaft 4.0, als Überbegriff für Smart Farming, stellt die die Interpretation und Auswertung der anfallenden Daten dar und kann die Produktionsprozesse in der Landwirtschaft effizienter und nachhaltiger machen. Landwirtschaft 4.0 soll diese großen Datenmengen verarbeitet, verknüpfen und Abläufe automatisieren und  schlussendlich den Landwirt beim Entscheidungsprozess unterstützen.

Landtechnikhersteller sowie Softwareanbieter sind bei der Erhebung, Auswertung, Umsetzung und Nutzung der Daten entlang der Wertschöpfungskette berührt. Betriebliche Daten wie die wirtschaftliche Ertragskraft, die strategische Ausrichtung und Positionierung am Markt, die Kosten- und Umsatzstruktur, die relevanten Umwelteinflüsse oder die Qualität der erzeugten Produkte sind Vertrauenssache, sie sind akzeptanzkritisch für alle Anwender. Betrachtet man die Entwicklungen im gesamten Agrarsektor, ist die zunehmende Digitalisierung wichtig für eine moderne Landwirtschaft, um auch weiterhin anschlussfähig zu bleiben sowie allgemeine Forderungen, wie z.B. nach Prozesstransparenz zu ermöglichen.

Die Anforderungen der Anwender an die Hersteller für diesen Bereich und Kontext sind:
  • Herstellerübergreifende Infrastruktur,
  • Einheitliche Datenformate für den barrierefreien Austausch und die Kommunikation zwi-schen verschiedenen Lösung,
  • Fairer Umgang mit den vertraulichen Daten.
Von  Anbietern informationstechnischer Systeme werden daher neben überzeugenden Lösungen auch überzeugende Sicherheits- und Datenschutzkonzepte gefordert. Die besten Lösungen zur Sicherstellung von Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit werden auch am Markt die besten Chancen haben. Denn die gesammelten Daten bestimmen wesentlich über Erfolg oder Misserfolg des landwirtschaftlichen Betriebs und sollten nur nach eingehender Kosten-Nutzen-Analyse und rechtlicher Bewertung in die Hoheit Dritter übertragen werden.

René Janotte

Die LU Agrarelektronik leistet Aufklärungsarbeit und tritt als Bindeglied zwischen Anwendern und Herstellern auf. Durch das aktive Einbringen der Teilnehmer und die Auseinandersetzung mit dem Thema konnten in den vergangenen Workshops mit Airinov, Farmpilot, CLAAS und farmtune schon viele betriebsindividuelle Anforderungen formuliert werden, die sich auch mit unserem Feldprobengedanken decken.
Möchten auch Sie Ihre Lösung für ein professionelles Datenmanagement vorstellen?! Dann sind Sie herzlich eingeladen, uns anzusprechen. Wir freuen uns auf neue Veranstaltungen!




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