Beruf & Bildung
16.08.2016

Maisernte abrechnen nach Tonnen?

Nachdem die Getreideernte fast überall abgeschlossen ist, steht für viele Lohnunternehmer als nächstes die Silomaisernte ins Haus. Die Maisernte stellt die Unternehmer vor besondere organisatorische Herausforderungen. Dabei fangen die Probleme oft schon mit der Preisgestaltung an. Dieses gilt insbesondere, wenn nach Tonnen abgerechnet wird, wie es Biogasanlagebetreiber häufig verlangen. Bei der Abrechnung nach Tonnen trägt der Lohnunternehmer fast alle Ernterisiken alleine. Das folgende Beispiel greift einige dieser Risiken auf. Nehmen wir an die Frischmasseerträge liegen üblicherweise in der Region bei 45 t/ha bezogen auf einen Trockensubstanzgehalt von 32%. Bei einer Verzögerung der Ernte oder durch plötzlich einsetzenden Frost können die TS-Gehalte in kurzer Zeit deutlich steigen. Auch die einzelnen Schläge weisen sehr unterschiedliche Abreifebedingungen auf, sodass an besonders trockenen Standorte mit deutlich höheren TS-Gehalten zu rechnen ist. In unserem Beispiel bietet der Lohnunternehmer eine Erntekette für 6,5 €/t an. Ein Unterschied von 2 % Prozent TS-Gehalt können dann schon den Umsatz 17 € pro Hektar reduzieren. Nehmen wir mal das Lohnunternehmen häckselt für einen Kunden 600 ha Mais, dann verringert sich der Umsatz um 10.324 €.Nun werden Sie berechtigterweise einwenden, dass eine reine Betrachtung des Umsatzes wenig sinnvoll ist, da sich auch die Kosten verändern.



Dieser Einwand ist natürlich grundsätzlich richtig, doch muss man sich die Frage stellen, ob tatsächlich Kosten eingespart werden. Zum Beispiel ist die Wirkung einer höheren Fahrtgeschwindigkeit häufig sehr begrenzt, da die Flächenleistung (ha/h) oft sehr viel stärker durch die Flächenstruktur bestimmt ist. Zudem sind die Kosteneinsparungen durch die höhere Flächenleistung bei weitem nicht ausreichend, um den Umsatzrückgang auszugleichen. Nehmen wir mal an, der Unternehmer schafft die 600 ha bei 32 % TS in 240 Stunden. Das entspricht einer Flächenleistung von 2,5 ha/h. Bei einer Flächenleistung von 3 ha/h würde er den Auftrag in 200 Stunden schaffen. Setzen wir nun Personalkosten von 35 €/h an, ergibt sich eine Einsparung von nur 1.400 €. Für den Transport ergibt sich eine geringere Transportmenge von 1.588 t. Schätzen wir die Transportleistung pro Stunde im Beispiel auf 30 t/h und die Kosten für das Transportgespann auf 70 €/h, ergibt sich eine Einsparung von 3.706 €. In der Summe wurde also 10.324 € weniger Umsatz gemacht, aber es sind nur 5.106 € weniger Kosten entstanden. Dabei wurden die möglichen Einsparungen noch absichtlich deutlich überschätzt. Im Transportbereich stellt sich sogar die Frage, ob nicht eher mit einem erhöhten Transportaufwand zu rechnen ist, da das Häckselgut mit hohem TS-Gehalt auch ein deutlich größeres Volumen aufweist.

Bei der Abrechnung nach Tonne sollten also unbedingt Zuschläge für geringere Erträge oder eine Anpassung in Bezug auf den TS-Gehalt im Angebotspreis enthalten sein. Außerdem sollten Sie unbedingt ihre Transportkosten genau unter die Lupe nehmen. Der Kostenanstieg bei langen Fahrtstrecken, nimmt stark zu. Insbesondere da bei längeren Distanzen auch deutlich mehr Abfuhrgespanne benötigt werden. Um den Häcksler bei einer Hof-Feld-Entfernung von über 10 km auszulasten werden dann schnell mal 6 bis 8 Abfuhrgespanne gebraucht. Daher empfiehlt es sich zusätzlich zum Tonnenpreis einen Kilometerpreis anzusetzen.



Zur Unterstützung für ihre Planung finden Sie auf der Interseite des BLUs den „Maisrechner“ in der Mediathek. Dieser bietet die Ihnen die Möglichkeit die Veränderung der Kosten bei verschiedenen Erträgen, Entfernungen und Abfuhrfahrzeugtypen nachzuvollziehen.

Kristen Krohne

Maisrechner
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